Natur in Neuseeland: Mogelpackung?

So in etwa hat es überall auf der die Nordinsel einmal ausgesehen
Und so.
und so.

Neuseeland ist unfassbar fruchtbar. Einst bedeckten mächtige Kauribäume, Manuka, Hanuka und wie diese wundervollen Riesen alle heißen, die in ihrer Krone nochmal eine ganz eigene Welt tragen, zu Tausenden die Nordinsel. Unter ihrem Blätterdach meterhohe Baumfarne, Lianen, Luftwurzeln, junge Riesen, Moose, Flechten und viele viele Pflanzen, von denen wir noch nicht einmal die Namen wissen. Bäche, Flüsse, Wasserfälle, Vulkane, Geysire und Vögel, die es in diesem grünen Paradies so gut hatten, dass sie das Fliegen verlernten, weil sie nichts zu befürchten hatten.

Mittelerde sagen wir heute, denken an ein hügeliges Grasland mit ruhigen Bächen und friedlich weidenden Schafen: Neuseeland

Und vielleicht hätte ich den Traum vom wunderbar natürlichen Neuseeland auch weiter geträumt, hätte ich ihn nicht getroffen:

Tane Mahuta. Der Gott des Waldes.

Den Maori ist dieser faszinierende Kauri-Riese heilig. Über 2000 Jahre alt soll er sein. Sein Stamm hat einen Durchmesser von vier Metern. Als ich vor ihm stand, sind mir die Tränen gekommen. Mein Gott, was hat die Menschheit in Neuseeland verloren! Wie konnten die Neuseeländer die gleichen Fehler wiederholen, die in Europa Jahrhunderte zuvor gemacht worden sind? Denn „einst“, das ist in Neuseeland vielleicht 150 Jahre her.

Und plötzlich machen mich die Grashügel unendlich traurig. Neuseeland ist abgeholzt bis auf die Bergspitzen. Nichts ist den Sägen entgangen. Gras bis zum Bach. Meist durchbrechen nicht einmal Knicks den grünen Teppich. Der Kiwi verschwindet nicht wegen der Hunde und wahrscheinlich noch nicht einmal wegen der Opossums. Er hat schlichtweg seinen Lebensraum verloren.

Schön grün.
Mit Schafen.

Und wenn man Wald begegnet, warum sieht Neuseeland dann aus wie Europa? Weil jetzt dort europäische Bäume angebaut werden, wo eigentlich Regenwald hingehört: Es geht um Holzwirtschaft. So einfach ist das. Hier wachsen Kiefern zu unglaublichen Höhen heran. Reihe in Reihe stehen sie, bis sie gefällt werden. Wahrscheinlich brauchen sie hier noch nicht einmal 100 Jahre bis sie schlagreif sind. Fazit: Die Neuseeländische Natur ist genau so eine Mogelpackung, wie die im Schwarzwald: ökologisch nahezu wertlose Monokultur und dazwischen Weideland. Zumindest auf der Nordinsel begegnet uns das allerorten. Die Südinsel haben wir noch nicht so ausführlich besucht.

Schock: der Tongariro Nationalpark

Es soll das ältesten Naturschutzgebiet in Neuseeland sein und zählt zu den Naturerben der Menschheit. Das kam unserer Sehnsucht entgegen: Endlich würden wir kilometerlang durch Regenwald fahren. Das ursprüngliche, das wilde Neuseeland erleben. Und in den ersten fünf Kilometern war das auch so

Und dann kamen wir etwas höher:

Kann das sein? Wird mitten im Nationalpark der letzte Urwald gerodet?

Wir wissen es nicht. Im Internet haben wir nichts darüber gefunden. Sind wirklich geschockt. Um den ganzen Tagariro Vulkan herum gibt es nur kriechendes Gestrüpp. An der Höhe kann es nicht liegen. Das ist alles weit unterhalb der Baumgrenze. Auch hier alles abgeholzt? Oder war es der Berg? Der Tongariro ist aktiv. Bedeckt Asche und Lava so oft die Gegend um den Vulkan, dass Bäume keine Zeit haben zu wachsen? Wir wissen es nicht. Es gibt auch an der Nationalpark-Information keine wirkliche Information und im Internet ist die Auskunft dürftig.

Die Geschichte auf dem Foto da oben war jedenfalls nicht der Berg. Das ist klar.

Etwas tröstliches hat das Ganze: Wahrscheinlich werden wir in ein paar Jahren Brasilien als Naturparadies bewundern: das weitläufige Weideland, die friedlich grasenden Rinderherden und wunderbar grün wird es sein. Weil es dort so viel regnet…

Andererseits: Warum sollen die Neuseeländer nicht die gleichen Fehler machen dürfen, wie die, die in Europa geblieben sind? Auch im vielbesungenen Schwarzwald wird erst seit kurzem wieder standortgerecht aufgeforstet. Und auch nur, weil man es dort bitter gelernt hat: Den neuzeitlichen Wirbelstürmen hält die Monokultur nämlich nicht stand. Ganze Bergketten sehen aus, als ob ein neuseeländisches Holzfällerteam ganze Arbeit geleistet hätte. Auch im Schwarzwald wehrten sich viele Alteingesessenen mit Händen, Füßen und Plakaten und manchmal mit allem gleichzeitig dagegen, dass ein Teil des Staatswaldes im Nordschwarzwald zu einem Nationalpark werden sollte. Der Park, der jetzt realisiert wurde, umfasst nur einen Bruchteil der Fläche der ursprünglichen Planung. Aber immerhin! Die Menschen werden jetzt merken, dass Natur gut ist. Dass sich für jeden Schädling irgendwann einen Nützling findet, der ihn in Schach hält. Und vielleicht wird der Nationalpark Nordschwarzwald dann doch noch größer. Und vielleicht kommt dann auch der Luchs zurück…

Und wenn die Schwarzwälder das jetzt langsam verstehen, vielleicht merken das dann auch die Neuseeländer. Und dann kommt auch der Kiwi wieder. Es ist nie zu spät. Die Natur rechnet nicht in menschlichen Lebensspannen…

Auckland

Nein, Auckland ist nicht die Hauptstadt von Neuseeland. Auch wenn das viele denken! Aber trotzdem ist es die größte Stadt des Landes. Natürlich muss man nach Auckland, wenn man in Neuseeland ist.

Fun fact: In Auckland leben so viele Menschen wie auf der gesamten Südinsel. Und das merkt man. Es gibt ein richtiges städtisches Gewusel. Ach das hab ich ganz schön in den letzten Monaten vermisst. Irgendwie steckt in mir doch ein Stadtmensch!

Ich muss echt sagen, die Stadt hat mich verzaubert. Als ich vor 5 Jahren hier schon mal war, hat mich die Auckland eher wenig beeindruckt. Dafür dieses Mal umso mehr. Es gibt eine perfekte Mischung aus Stadtleben, ländliche Herzlichkeit und einen wunderschönen Hafen.

Der maritive Hafen von Auckland!

Was auffällig ist: Auch wenn Auckland eine große Stadt ist, die Menschen sind immer super freundlich. Jeder Verkäufer hält, gan Kiwi-Style, mit einem ein Schwätzchen. Ich muss echt aufpassen, dass ich in Deutschland nicht weiter jedem Verkäufer von meinem Tag erzähle. Die würden sich ganz schön wundern. Hier ist das aber völlig normal, gehört sogar zum guten Ton. Ich erzähle mindestens 5 mal am Tag warum ich in Neuseeland bin, wo ich her komme und wie lange ich noch bleibe.

Wenn man sich hier mal verläuft, kein Problem. Orientieren kann man sich immer am Fernsehturm! Er ist von überall zu erspähen!

Ponsonby

Was Auckland auch so unglaublich schön macht, sind die vielen wundervollen alten Häuser. Zum Beispiel in Ponsonby. Und vor allem gab es dort wunderschöne Vintage-Läden durch die ich natürlich durchschlendern musste.

Mount Eden

Ein weiterer Funfact: Auckland ist die Stadt mit den meisten Vulkanen weltweit. Über 50 stehen im Stadtzentrum. Der bekannteste ist wahrscheinlich der Mount Eden. Direkt neben dem Eden Park Rugby Stadium! Wir haben es uns natürlich nicht entgehen lassen, hinauf zu spazieren und oben zu picknicken! Es ist wahrscheinlich der schönste Picknickort in Auckland!

Und natürlich mit Sushi. Sushi ist einfach einwirklich ernst zu nehmendes Thema hier. Sogar das Sushi aus dem Supermarkt ist besser, als das ein oder andere Sushi, welches ich schon in Deutschland im Restaurant gegessen habe!

Waiheke Island

einfach wunderschön, da kann man nichts anderes dazu sagen

Wir haben uns es natürlich auch nicht entgehen lassen, auf eine der sogenannten Wein-Inseln vor Auckland zu fahren. Rings um Auckland gibt es nämlich reichlich Weinanbaugebiete und eins, das können die Neuseeländer: Weißwein.

Was ein toller Tag!

Die Fähre geht direkt vom Stadtzentrum alle 20 Minuten rüber nach Waiheke. Naja Boot ist hier ja auch ein ganz normales Fortbewegungsmittel, wie mit dem Bus irgendwo hinfahren. Was man an Auckland super schnell vergisst. Aber die Stadt ist umgeben von Meer. Naja, ich befinde mich aber auch auf einer Insel, da ist das gar nicht so schwer.

Und die Insel ist einfach traumhaft! Ein bisschen verschlafen aber liebenswert. Und ich habe meinen ersten Tui gesichtet (einer der bekanntesten Vögel von Neuseeland)! Aber das mit der Wildtierfotografie ist gerade bei Vögeln auch umso schwerer. Vielleicht fliegt mir ja noch einer während meiner Reise vor meine Kamera!

Jap, das im Hintergrund ist Auckland.

Aber auch wenn es warm aussieht, es waren höchstens 15 Grad. Die Kiwis hält sowas natürlich nicht vom schwimmen ab.

Auckland war einfach ein perfekter Start für unsere Neuseeland-Rund-Reise!

Wochenmärkte

Ach ja, Wochenmärkte! Gemütlich mit einem Kaffee über einen Markt zu schlendern, ist einfach meine absolute Lieblingsbeschäftigung. Und ich muss sagen: Egal wo man auf der Welt ist, die Stimmung auf den Wochenmärkten ist immer einfach toll. Ein geschäftiges Treiben, was man in Ruhe beobachten kann, ist einfach klasse. Man darf natürlich auch nicht vergessen, dass es auf Märkten häufig die besten Snacks gibt.

Das sind meine Lieblingswochenmärkte in Christchurch:

Roadtrip durch Neuseeland: ganz im Norden

Paihia, Waitangi und Cap Reigna

Regenwetter: Blick aus unserem Airbnb in Paihia

Was macht man, wenn man in einem Airbnb mit einer wundervollen Aussicht wohnt, und für den ganzen Tag Regen angesagt ist? Genau das haben wir getan 🙂

Cap Reinga

Und am nächtsten Tag ganz in den Norden: Cape Reinga. Der Ort, von dem die Maori sagen, dass dort die Seelen der Verstorbenen einen letzten Blick auf die Insel werfen, bevor sie ins Meer springen, um zu ihren Ahnen zu schwimmen. In Ellas Block könnt ihr die ganze wunderbare Legende nachlesen.

Bisschen schief…
Aber Ella konnte ihn richten.

Waitangi

Hier wurde Neuseeland als Nation geboren. Hier haben vor 182 Jahren Engländern und Maori einen Vertrag unterzeichnet, der den Engländern das Recht gab, Neuseeland zu besiedeln. Nach meinem Verständnis ist es bis heute strittig, ob die Vorteile aus diesem Vertrag doch eher einseitig waren. Doch die Museumsanlage in Waitangi ist wunderschön und ein Muss für jeden neuseeländischen Schüler. Man kann das Haus, in dem der Gouverneur dann wohnte, besuchen. Es gibt ursprünglicher Baumbestand, Vogelgezwitscher, herrliche Aussichten, den Original-Vertrag, Dokumentationen über Maori, die für Neuseeland in die Weltkriege zogen, eine wirklich tolle Führung…

Der Blick von Waitangi: die Bay of Islands

Und doch entließ uns dieses Museum merkwürdig unzufrieden. Wir hatten erwartet, mehr über die Maori zu erfahren: Wie haben sie gelebt? Wie waren die sozialen Strukturen? Was haben sie ihren Kindern gelehrt? Was hat sich für sie im Alltag durch den Vertrag verändert? Was haben die Maori erhofft? Wurden die Versprechen eingehalten? Doch im Museum geht es hauptsächlich um die Unterzeichnung. Nach diesem Vertrag, der als die Geburtsstunde Neuseelands gefeiert wird, gab es blutigste Auseinandersetzungen zwischen Engländern und Maori. Schätzungsweise die Hälfte der Maori auf der Nordinsel wurden in den nachfolgenden Kriegen getötet. Das lesen wir in unserem Reiseführer.

Konflikte waren schon bei der Unterzeichnung des Vertrages vorprogrammiert: Die Engländer kamen, um Rohstoffe nach England zu schaffen: Holz vor allem. Vor der Besitznahme bedeckten wuchernde Regenwälder mit tausenden von riesigen Kauribäumen die Nordinsel. Heute ist dort Weideland. Eine Handvoll wirklich großer Kauribäume ist übrig geblieben. Sie wachsen extrem langsam und werden über 2.000 Jahre alt. Sonst ist alles abgeholzt. Bodenerosion ist ein großes Thema und allerorten sichtbar. Oder die Wale. Neben Holz war der Walfang gewinnbringend für Europäer. Den Maori sind Wale heilig. Wie haben sie dieses Verhalten ihrer Partner verkraftet? Über solche Konflikte und wie man sie überwunden hat, findet man keine Antworten. Hat man sie überhaupt überwunden? Empfinden sich Maori als Neuseeländer? Sie sind für Neuseeland in den Krieg gezogen. Das haben wir in Waitangi gelernt. In den ersten und in den zweiten Weltkrieg. Dort gab es ein Maori-Batallion. Warum? Warum gab es nicht ein Neuseeländisches, in dem Maori zusammen mit den europäischstämmigen Neuseeländern gekämpft haben? Zu der Zeit war die Geburtsstunde der gemeinsamen Nation schon 100 Jahre her. Auf all diese Fragen findet man nicht wirklich eine Antwort.

Der Guide, ein Maori, sagt: „Wir wollen alle gemeinsam nach vorne schauen. Nicht zurück. Was geschehen ist, ist geschehen.“ Vielleicht hat er Recht.

Russel. Das Höllenloch des Pazifik

Auf dem Weg nach Russel.

Gerade einmal 20 Minuten mit der Fähre durch dieses Wunderland, das sich Bay of Islands nennt, braucht es, um in Russel zu landen. Einem wunderschönen kleinen Städtchen auf einer Landzunge gegenüber von Paihia. Russel war einst als das Höllenloch des Pazifik bekannt. Es war ein Handelszentrum. Dort sind Walfänger nach Monaten auf See das erste Mal wieder an Land gegangen. Prostitution, Glücksspiel, Alkohol. Es muss exzessiv gewesen sein.

Es sind ein paar wunderschöne Holzhäuschen vom einstigen Höllenloch übrig geblieben. Und der erste Pub Neuseelands: The Duke of Marlborough. Selbstverständlich haben wir ihn besucht.

Wirklich leckeres Essen und prasselndes Kaminfeuer im Duke of Marlborough
Typisch Neuseeland. Man lässt die schmutzigen Straßenschuhe vor dem Laden stehen und wandert strumpfsock hinein. – Vielleicht sollten wir alle mal ein bisschen entspannen…

Hamilton

So nah, dass kann man fast nicht glauben!

Über Hamilton hab ich eigentlich gar nichts zu berichten. Naja, die Stadt war eigentlich auch völlig egal. Ich hab die All Blacks gesehen! In einem Spiel gegen Argentinien. Und das in einem wirklich überschaubaren Stadion. Wir saßen DRITTE REIHE!!! So nah werd ich den All Blacks wahrscheinlich in meinem ganzen Leben nie wieder kommen. Das war so nah, als würde ich in Hamburg an der Saarlandstraße Rugby schauen. Aber das waren wirklich die All Blacks!

Aber wer von euch hat den bitte Jordie Barret schon mal so nah gesehen?

Es hat aber auch fast ein bisschen von der Magie genommen. Wenn man die so nah sieht, wird einem bewusst, dass die All Blacks auch nur relativ normale Menschen sind, die blaue Flecken bekommen.

Ich hab es natürlich auch nicht geschafft, um den Souvenirshop herum zu gehen. Aber wann kann man bitte mal All Blacks Sachen shoppen, ohne einen riesigen Versand zu bezahlen? Ja okay. Überall in Neuseeland. Aber wahrscheinlich brauche ich sowieso einen zweiten Koffer zurück.

Es hat wie aus Eimern geschüttet, aber ich hab mir meine Laune nicht verderben lassen!

Hier eine chronologische Zusammenfassung von dem Spiel:

Erst mal wurde sich auf dem Feld aufgewärmt. Und ich konnte es gar nicht begreifen, dass das DIE All Blacks sind.

Dann wurden die Nationalhymnen gesungen. Von der Neuseeländischen werden übrigens immer zwei Strophen gesungen, eine in Maori und eine in Englisch.
Und natürlich der HAKA. Warscheinlich das, für das die All Blacks am meisten bekannt sind.
Jeder Punkt wurde reichlich gefeiert! Insgesamt waren es 53 für die All Blacks und drei für Argentinien.
Und am Ende wurde sich noch bei den Fans für den Support bedankt!

Einfach ein gelungner Abend!

Roadtrip durch Neuseeland: Hamilton

Das ist unser Begleiter für die nächsten vier Wochen. Dieses goldene, etwas in die Jahre gekommene Vehikel, soll uns viele hundert Kilometer durch Neuseeland fahren. Erst durch die Nord- und dann durch die Südinsel.

Links fahren

Ella hat das mit dem Vertrag gemacht. Und ich habe mich aufs Jetzt-bloß-Nicht-Nachdenken konzentriert und mich dann einfach hinters Steuer gesetzt. Das erste Ziel, Hamilton, haben wir ohne Beule noch am gleichen Abend geschafft. Und das, obwohl Neuseeland mehr Kreisverkehre als das Saarland hat! Man glaubt es nicht. Und dann immer nach links hinein… Doch Bettinas Rat: „Der Fahrer sitzt immer in Straßenmitte“ ist Gold wert. Danke, Bettina. Er wird mein Mantra auf dieser Reise werden!

Hamilton

Die Stadt ist nun wirklich gar nicht sehenswert. Und doch war dieses Ziel der Grund, warum wir unbedingt am 03.09. wieder in Neuseeland sein mussten. Hier gibt es nämlich ein nicht allzu großes Rugbystadion. Und in diesem haben am 03.09. die All Blacks gegen Argentinien gespielt. Nun ist Ella wahrscheinlich der größte All Blacks Fan der nördlichen Halbkugel und hier waren sie zum Anfassen nah.

Dritte Reihe, strömender Regen und die glücklichste Ella der Welt!

Schon vor dem Haka waren wir völlig durchnässt…
Ergebnis: 53:3 für die All Blacks!

Nouméa. Stadt mit zwei Gesichtern

Die Hauptstadt von Neukaledonien liegt auf Grand Terre. Der größten Insel Neukaledoniens. Der Reiseführer lockt mit Hügeln, Stränden, Cafés, Promenaden und französischer Lebensart. Und so waren wir etwas verunsichert, als wir in unserer ersten Nacht auf Neukaledonien aus dem Hotelfenster schauten:

Das soll die glamouröse Metropole der Südsee sein?

Wir hatten ein günstiges Hotel in der Altstadt gebucht. Nur zum Schlafen. Am nächsten Morgen wollten wir ja weiter nach Ile des Pins. Wir fragten nach einer Restaurantempfehlung. Es gab zwei. Ein chinesisches und eines mit französischer Küche. Ernst, jetzt? Es war tatsächlich so. Die Gegend düster. Geschlossene Geschäfte, lieblos hochgezogene Häuser, um die sich nach dem Bau keiner mehr gekümmert hat und Kolonialbauten, die vergeblich nach einem Restaurator rufen.

Nouméa die Zweite

Das konnte nicht alles sein. Und weil wir nach dem Hotelleben auf Ile des Pins ins echte Leben wollten, buchten wir ein Airbnb. Mitten in der Stadt. Allerdings einen Hügel weiter.

Der Eingang zu unserem Airbnb
Kochen mit Pazifik-Blick

Und da waren sie: schöne Häuser, tropische Gärten, edle Autos, Wohlstand überall. Was ist hier los?

Einer der beiden Stadtstrände!: direkt losschnorcheln!

Nur eine Bucht weiter gibt es Bars, eine Strandpromenade wie in Nizza, Cafés, Bars, Nachtleben und tolle Boutiquen, Beachlife, Kiten, Surfen: Hier leben die Franzosen. Immerhin versucht Frankreich mit einem Spektakulären Museumsbau die Altstadt zu beleben. Und man muss auch sagen, dass wir nirgends wirklich Armut gesehen haben. Alle Menschen scheinen medizinisch gut versorgt und sehr wohl genährt.

In Nouméa scheint es zwei völlig verschiedene Welten zu geben. Die praktisch nichts miteinander zu tun haben. Die eine scheint die Verwirrungen der Kolonialzeit noch nicht überwunden zu haben. Und so leben in der Altstadt viele Kanaken. Es gibt billige Geschäfte, asiatische Basare, ein paar Backpacker-Hotels. Und besonders nachts macht die Gegend einen trostlosen Eindruck.

Abschließend können wir uns natürlich kein Urteil erlauben. Dazu waren wir nicht lang genug da. Aber das war schon krass: Ureinwohner auf der einen und Kolonialherren auf der anderen Seite. Es gibt auch dunkelhäutige Menschen, die gut integriert sind. Servicekräfte in Cafés und auch an manchem Steuer eines SUVs. Aber diese stammen aus anderen französischen Überseegebieten. Martinique, zum Beispiel. Oder aus Afrika. Auch viele Asiaten sind eingewandert. Die Kanaken scheinen noch nicht keinen Platz in dieser postkolonialen Gesellschaft zu haben. Andersherum: Ist die Gesellschaft postkolonial?

Im Internet haben wir gelesen, dass die letzten gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und den Kanaken noch nicht lange her sind. In den 80er Jahren stand Neukaledonien am Rande eines Bürgerkriegs. 2018 wurde über die Unabhängikeit Neukaledoniens abgestimmt. 57% stimmten für den Verbleib bei Frankreich. 40% der Wahlberechtigten waren Ureinwohner. Die Inselgruppe hätte dann Kanaky geheißen.

Andererseits: Welchen Chance hat ein kleines Völkchen auf einer wunderschönen Insel, das noch nie die Chance hatte, Erfahrung im Aufbau einer eigenen Struktur, geschweige denn im Umgang mit anderen Staaten zu sammeln? Vielleicht ist es besser, wie es ist. Und vielleicht besinnen sich beide Seiten auf eine, auf gegenseitige Wertschätzung geprägte, gemeinsame Zukunft. Und vielleicht sind sie sogar schon auf dem Weg dahin. Immerhin kam uns bei jeder Begegnung mit einem Kanaken ein Lächeln und ein freundliches „Bonjour“ entgegen.

Bye, bye Südsee: Wir warten auf unser Shuttle zum Flughafen

Unter Wasser

Es ist so schön, dass ihr alle den Blog lest! Ein bisschen so, als würden wir euch bei einem Glas Rosé von der Reise erzählen 🙂 Also: Willkommen unter Wasser!

Die Unterwasserwelt ist der eigentliche Grund, warum wir nach Kaledonien gereist sind. Die Inselgruppe liegt an den Ausläufern des Great Barriere Riffs und man sagt, sie gehöre zu den schönsten Tauchgründen der Welt. Glasklares Wasser, jede Menge tropische Fische und eine immer noch intakte Korallenwelt.

Es ist atemberaubend: Allein beim Schnorcheln sieht man Rifffische aller Formen und Farben: Kugelfische, Clownsfische, Doktorfische, Falterfische, wundervolle Muscheln, Korallen und noch viel mehr, was wir in unserem Bestimmungsbuch (es ist das dickste Buch, das wir mitschleppen) nicht gefunden haben.

Ist das nicht wunderschön?

Ich muss sagen, der Auffrischungs-Tauchgang auf Fehmarn, eine Woche vor dem Flug, war eine sehr gute Idee. Nach 25 Jahren das erste Mal wieder tauchen! Und das auf Französisch. Ella ist besser im Training. Sie hat in der Karibik ihren Tauchschein gemacht.

Und dann: Abtauchen!

Gleich der erste Tauchgang ein Wahnsinns-Erlebnis: Rifffische ganz in Ruhe, ganz aus der Nähe zu beobachten. Wir hatten Glück mit unserem lokalen Tauchguide. Er hat uns mini kleine Seepferdchen gezeigt und Anemonen, die gar keine sind, sondern aus tausenden einzelner kleiner Lebewesen bestehen. Wenn man sie berührt erwachen sie zum Leben. Wie bei Avatar. Und dann sahen wir ihn:

Einen ausgewachsenen Leopardenhai! Ca. zwei Meter lang und wunderschön.

Dieser Tauchgang war vor Nouméa. Dicht vor der Hauptstadt Neukaledoniens liegt ein Gebiet, in dem sich Fische mit einer ganz besonderen Vorliebe aufhalten: Sie putzen Schildkrötenpanzer. Und das ist der wunderbare Grund dafür, dass man hier oft Schildkröten antrifft. Sie kommen aus der ganzen Gegend, um sich hier putzen zu lassen. Wir haben 10, 15 wirklich große Meeresschildkröten gesehen!

Im Turtle-Wellness-Pool

Ja, und dann hat mich die Hexe geschossen. Sehr unspektakulär beim Anziehen des Neoprenanzugs. Eine falsche Bewegung! Ich hatte schon auf dem Schlauchboot gemerkt, wie ich immer krummer werde. Gottseidank hatte ich in Auckland eine Reise-Yogamatte gekauft. Also: Runter vom Boot und rauf auf die Matte! Danke, Mady Morrison, du hast mir ein ganzes Stück meiner Reise gerettet! „Yoga für den unteren Rücken“, Mady Morrison. Sehr zu empfehlen!

Aber Tauchen war für mich vorbei. Ella ist am nächsten Tag noch einmal unten gewesen. An einem Wrack. Auf dem Weg dahin haben sie Buckelwale gesehen! Auch einer meiner großen Träume! O.k.. Es ist, wie es ist. Ich hoffe auf Neuseeland.

Und jetzt: das Beste:

Seit ich das Buch „Rendezvous mit einem Octopus“ von Sy Montgomery gelesen habe, bin ich fasziniert von dem Gedanken, einen Kraken in freier Wildbahn zu sehen. Auf Fuerteventura habe ich Tage damit verbracht, jeden einzelnen Gezeitentümpel auszuspähen. Aber ich habe nicht einmal die Spur von einem Kraken entdecken können. Und dann das: beim zufälligen Blick von der Brücke, die zu unserem Hotel auf Ile des Pins führte.

Ein junger Pazifischer Riesenkrake beim Jagen!

Später waren wir noch mehrfach dort. Aber wir haben ihn nie wieder gesehen.

Ach, ja: Das mit dem Rosé holen wir nach!

Ile des Pins. Perle der Südsee.

Den Namen hat die Insel von James Cook. Als er sie entdeckte, hielt er die Araukarien, die das Bild der Insel prägen, für Pinien. Und es stimmt. Von Weitem sehen sie aus wie Nadelbäume. Vielleicht hat er sie nie von Nahem gesehen, weil er seine Mannschaft an den Strand des unbekannten Eilands geschickt hat und sich selbst sicherheitshalber hinter Sextant und Seekarten verschanzte? Wir werden es nicht erfahren. Heute gibt es auf Ile des Pins einen Ort, zwei durchaus luxuriöse Hotels, eine Tauchbasis und einen Einkaufsladen. Ach ja, und einen Flughafen. Drei Flüge am Tag von Nuema und drei zurück. Das wars. Vom Flughafen aus sind ein paar asphaltierte Schneisen durch den Urwald geschlagen. Begleitet von einer Stromtrasse an Masten. Das ist die Infrastruktur. Politisch ist die Insel in acht Häuptlingsbezirke unterteilt.

Nichts als Urwald. Ile des Pins ist viel ursprünglicher, als wir dachten.

Flora und Fauna

Wandelröschen, Hirschfarne, Hibiskus. Alles wächst hier einfach am Wegesrand. Araukarien überall. Sie sind hier endemisch. Es flattern unzählige Schmetterlinge und es zwitschert von allen Bäumen. Kleine, grüne Papageien, Eisvögel, die genau so aussehen, wie unsere Eisvögel, Schwalben, Amseln und Finken, die sicherlich anders heißen, aber vom Aussehen und Verhalten her an unsere Amseln, Schwalben und Finken erinnern. Und Achatschnecken. Zu Hunderten. Die wurden abends im Hotel – sehr französisch – mit Knoblauch serviert.

Ein Hibiskuskäfer hat uns im Hotel besucht

Wir haben die Insel tatsächlich mit dem Fahrrad erkundet. Wir waren auf dem Markt in Vao, dem Hauptort, an dem es auch eine Krankenstation, eine Kirche und einen Markt gibt, auf dem die Frauen selbst genähte Kleider, Kuchen und Vanilleschoten verkaufen.

Eine Gedenkstätte für den ersten Missionar. Vorsichtshalber haben die Einheimischen sie mit Totempfählen gesichert…
Hier haben wir noch 20 km Rückweg auf schlecht aufgepumpten Fahrrädern vor uns.

Die Strände

Pudersand, kristallklares Wasser und weit und breit keine Menschenseele. Außer ein paar Fischer, die Netze auslegten, wenn die Flut kam.
Ebbe.

Die Unterwasserwelt

Einfach unglaublich und der eigentliche Grund, warum wir nach Kaledonien gereist sind. Aber das ist ein eigenes Kapitel wert.

Christchurch

Praktikum und Winterwetter

Die Kathedrale der Stadt ist auch das Wahrzeichen. Bei dem Erdbeben 2011 ist der Turm eingestürzt, welcher dabei leider einen großen Teil des Gebäudes zerstörte. Lange war man sich unsicher, was man mit dem Gebäude jetzt macht. Abreißen geht natürlich nicht. Einfach wieder aufbauen ist aber auch nicht so einfach. Zum einen wegen den ganzen Denkmal-Auflagen und zum anderen will man auch an das Erdbeben erinnern. Also wurde erst vor kurzem mit dem Wiederaufbau begonnen. Dass die Kathedrale noch immer eine Baustelle ist, ist auch ein Zeichen dafür, wie verwundet die ganze Stadt immer noch ist.

Hier erst einmal ein paar Eindrücke von Christchurch. Ich musste mich erst daran gewöhnen, dass hier ja Herbst, naja schon fast Winter war. Ich kam ja mitten aus der Sonne von Lateinamerika.

Die Christchurch swing

Der Hagley Park, der Stadtpark von Christchurch, hat natürlich jede Menge Rugby Felder. Wie sich das für eine neuseeländische Grünfläche gehört. Hier habe ich mit der Damenmannschaft trainiert.

Der Stadtstrand in Sumner.

Ach, einfach schön!!!!!!

Nach Neuseeland zu kommen, fühlte sich ein bisschen wie wieder nach Hause kommen an. Naja es ist ja auch viel westlicher als Lateinamerika und mein zweiter Besuch in diesem wunderbaren Land. Leute in All Blacks Trikots sind für mich ein sehr vertrauter Anblick und sehr gute Freunde unserer Familie, Mike und Bettina, haben in der Nähe von Christchurch eine wunderschöne kleine Farm mit Pferden, Hühnern, Schafen und Hunden.

So eine kleine Farm ist einfach wunderbar

Die Hunde des Hauses, Rusty und Sky.

Die meiste Zeit in Neuseeland war ich, wegen meines Praktikums in Christchurch. Es ist die zweitgrößte Stadt in Neuseeland. 2009 und 2011 gab es hier zwei große Erdbeben. Auch wenn das schon lange her scheint, spielt das Erdbeben hier natürlich immer noch eine große Rolle. Auf jeder Party wird hier gefragt, wo man denn war, als das Erdbeben war. Die Zeit wird hier in vor und nach dem Erdbeben angegeben.

Dadurch, dass so unglaubliche viele Gebäude zerstört waren, konnte man auch bis heute noch nicht alles wieder aufbauen. Das Stadtbild ist immer noch geprägt von abgesperrten Gebäuden und Baustellen. Von dem unfertigen Eindruck darf man sich aber nicht abschrecken lassen. Im Gegensatz zu meinem letzten Aufenthalt in Neuseeland, gibt es mittlerweile sehr viele neue Cafés und tolle Restaurants in der Stadt.

Ich musste mich hier natürlich erst mal ein bisschen zurechtfinden. Länger in einer neuen Stadt zu sein, ist echt noch mal etwas total anderes, als nur zu reisen. Aber zuerst musste ich los und hab mir Winterklamotten gekauft. Ich kam ja aus dem Sommer. Und dann habe die Stadt erkundet.

Und dann bin ich ganz mutig alleine in den Pub gegangen, um Rugby zu schauen. Ich kannte ja noch keinen aber ich konnte mir ein Rugby in einem Neuseeländischen Pub natürlich nicht entgehen lassen. Zumal die All Blacks gegen Südafrika spielten. Aber in Neuseeland ist man ja nie wirklich alleine. Die Kiwis sind so kontaktfreudig, man wird sofort angequatscht und fühlt sich immer willkommen. Einfach toll.

Und was auch toll ist an den Kiwis: Sie lieben Sushi! Als Snack gibt es überall eine halbe Sushirolle auf die Hand. Der perfekte Snack.

Eigentlich hab ich mich nur von Sushi ernährt

Weihnachtsmarkt

Da Weihnachten hier ja in den Sommer fällt, feiern viele Midchristmas am am 24.6. Im Riverside (eine Foodmeile) gab es dazu einen German Christmas market. Ich hab es mir natürlich nicht entgehen lassen, dort den Glühwein zu probieren. Und ich muss sagen, das mit dem Glühwein müssen sie noch ein wenig üben. Entschieden zu wenig Gewürze. Dafür schmeckten die Kekse wie zu Hause!

Es gab sogar Schnee!

Aber eine Sache werde ich ja nie verstehen: Wie können die Kiwis einfach nicht frieren? Kurze Hosen und Gummistiefel sind hier ein Ganzjahres-Look. Und ich dachte mein Leben lang, mit kurzer Hose nach dem Training nach Hause sei ausschließlich ein Rugby-Ding. Nein, es ist eindeutig eine Kiwi-Eigenheit.

Zusätzlich schlängelt sich durch die sonst hauptsächlich so moderne Stadt eine Straßenbahn. Lustigerweise ist das gar nicht die alte Straßenbahn von Christchurch, sondern die aus Melbourne. Da man zwischenzeitig die Straßenbahn abgeschafft hatte aber dann feststellte, dass eine Straßenbahn doch was Tolles ist.

Als Mama dann in der Stadt war, konnten wir es uns natürlich nicht nehmen lassen direkt einen Abend in der Straßenbahn zu verbringen. Zwei Abende der Woche gibt es ein Restaurant in einem der Wagons. Es gab köstliches Essen, jeder Gang mit einem anderem Wein zur Begleitung und man zockelte durch die ganze Innenstadt. Naja eher mehrfach durch die ganze Innenstadt. Das Schienennetz ist nicht sonderlich groß. Aber kein Problem! Nach dem 4. Mal an der alten Kathedrale vorbei, gab es dann auch den Nachtisch. Einfach ein Perfekter Abend.

Meine Christchurch Café/Aktivitäten-Tipps folgen in weiteren Beiträgen.