


Neuseeland ist unfassbar fruchtbar. Einst bedeckten mächtige Kauribäume, Manuka, Hanuka und wie diese wundervollen Riesen alle heißen, die in ihrer Krone nochmal eine ganz eigene Welt tragen, zu Tausenden die Nordinsel. Unter ihrem Blätterdach meterhohe Baumfarne, Lianen, Luftwurzeln, junge Riesen, Moose, Flechten und viele viele Pflanzen, von denen wir noch nicht einmal die Namen wissen. Bäche, Flüsse, Wasserfälle, Vulkane, Geysire und Vögel, die es in diesem grünen Paradies so gut hatten, dass sie das Fliegen verlernten, weil sie nichts zu befürchten hatten.
Mittelerde sagen wir heute, denken an ein hügeliges Grasland mit ruhigen Bächen und friedlich weidenden Schafen: Neuseeland
Und vielleicht hätte ich den Traum vom wunderbar natürlichen Neuseeland auch weiter geträumt, hätte ich ihn nicht getroffen:

Den Maori ist dieser faszinierende Kauri-Riese heilig. Über 2000 Jahre alt soll er sein. Sein Stamm hat einen Durchmesser von vier Metern. Als ich vor ihm stand, sind mir die Tränen gekommen. Mein Gott, was hat die Menschheit in Neuseeland verloren! Wie konnten die Neuseeländer die gleichen Fehler wiederholen, die in Europa Jahrhunderte zuvor gemacht worden sind? Denn „einst“, das ist in Neuseeland vielleicht 150 Jahre her.
Und plötzlich machen mich die Grashügel unendlich traurig. Neuseeland ist abgeholzt bis auf die Bergspitzen. Nichts ist den Sägen entgangen. Gras bis zum Bach. Meist durchbrechen nicht einmal Knicks den grünen Teppich. Der Kiwi verschwindet nicht wegen der Hunde und wahrscheinlich noch nicht einmal wegen der Opossums. Er hat schlichtweg seinen Lebensraum verloren.


Und wenn man Wald begegnet, warum sieht Neuseeland dann aus wie Europa? Weil jetzt dort europäische Bäume angebaut werden, wo eigentlich Regenwald hingehört: Es geht um Holzwirtschaft. So einfach ist das. Hier wachsen Kiefern zu unglaublichen Höhen heran. Reihe in Reihe stehen sie, bis sie gefällt werden. Wahrscheinlich brauchen sie hier noch nicht einmal 100 Jahre bis sie schlagreif sind. Fazit: Die Neuseeländische Natur ist genau so eine Mogelpackung, wie die im Schwarzwald: ökologisch nahezu wertlose Monokultur und dazwischen Weideland. Zumindest auf der Nordinsel begegnet uns das allerorten. Die Südinsel haben wir noch nicht so ausführlich besucht.
Schock: der Tongariro Nationalpark
Es soll das ältesten Naturschutzgebiet in Neuseeland sein und zählt zu den Naturerben der Menschheit. Das kam unserer Sehnsucht entgegen: Endlich würden wir kilometerlang durch Regenwald fahren. Das ursprüngliche, das wilde Neuseeland erleben. Und in den ersten fünf Kilometern war das auch so

Und dann kamen wir etwas höher:

Wir wissen es nicht. Im Internet haben wir nichts darüber gefunden. Sind wirklich geschockt. Um den ganzen Tagariro Vulkan herum gibt es nur kriechendes Gestrüpp. An der Höhe kann es nicht liegen. Das ist alles weit unterhalb der Baumgrenze. Auch hier alles abgeholzt? Oder war es der Berg? Der Tongariro ist aktiv. Bedeckt Asche und Lava so oft die Gegend um den Vulkan, dass Bäume keine Zeit haben zu wachsen? Wir wissen es nicht. Es gibt auch an der Nationalpark-Information keine wirkliche Information und im Internet ist die Auskunft dürftig.
Die Geschichte auf dem Foto da oben war jedenfalls nicht der Berg. Das ist klar.
Etwas tröstliches hat das Ganze: Wahrscheinlich werden wir in ein paar Jahren Brasilien als Naturparadies bewundern: das weitläufige Weideland, die friedlich grasenden Rinderherden und wunderbar grün wird es sein. Weil es dort so viel regnet…
Andererseits: Warum sollen die Neuseeländer nicht die gleichen Fehler machen dürfen, wie die, die in Europa geblieben sind? Auch im vielbesungenen Schwarzwald wird erst seit kurzem wieder standortgerecht aufgeforstet. Und auch nur, weil man es dort bitter gelernt hat: Den neuzeitlichen Wirbelstürmen hält die Monokultur nämlich nicht stand. Ganze Bergketten sehen aus, als ob ein neuseeländisches Holzfällerteam ganze Arbeit geleistet hätte. Auch im Schwarzwald wehrten sich viele Alteingesessenen mit Händen, Füßen und Plakaten und manchmal mit allem gleichzeitig dagegen, dass ein Teil des Staatswaldes im Nordschwarzwald zu einem Nationalpark werden sollte. Der Park, der jetzt realisiert wurde, umfasst nur einen Bruchteil der Fläche der ursprünglichen Planung. Aber immerhin! Die Menschen werden jetzt merken, dass Natur gut ist. Dass sich für jeden Schädling irgendwann einen Nützling findet, der ihn in Schach hält. Und vielleicht wird der Nationalpark Nordschwarzwald dann doch noch größer. Und vielleicht kommt dann auch der Luchs zurück…
Und wenn die Schwarzwälder das jetzt langsam verstehen, vielleicht merken das dann auch die Neuseeländer. Und dann kommt auch der Kiwi wieder. Es ist nie zu spät. Die Natur rechnet nicht in menschlichen Lebensspannen…








































































































































