Alle haben von Puerto Plata geschwärmt. Also musst ich es mir auch selber mal anschauen. Der Weg dahin war mal wieder abenteuerlich. Und ich fühlte mich wieder dumm, dass ich kein Spanisch spreche. Aber das werde ich ändern, sobald ich ein bisschen Zeit habe! Zum Glück habe ich in Samana Deutsche kennengelernt, die auch mit dem Bus nach Puerto Plata fahren wollten. Kurzerhand schloss ich mich denen an. Wie abenteuerlich schon der Weg nach Samana war, steht im Beitrag von El Valle. Also stiegen wie in einen regionalen Bus nach Puerto Plata. Eng. Heiß. kein Sitzplatz. Sehr authentisch. Zusätzlich brauchte der Bus über sechs Stunden. Wahrscheinlich auch authentisch. Aber die Sicht war wie immer toll! Zumindest das. Alle anderen Deutschen stiegen schon kurz vor Puerto Plata aus. Also war ich alleine. Und es sprach mal wieder keiner Englisch. Also eine neue Challenge! Zusätzlich hielt der Bus an jeder Ecke und ich hatte keine Ahnung, wo ich raus musste und es war schon draußen auch schon dunkel. Perfekte Voraussetzungen! Also sprach ich einfach jeden in dem Bus an, bis ich einen fand, der zumindest ein bisschen Englisch sprach. Er wusste aber nicht, wie er mir mit Händen und Füßen erklären könnte, wo ich am besten aussteige. Kurzer Hand nahm einer meine Tasche und stieg mit mir aus. Organisierte mir ein Taxi und verhandelte sogar noch einen guten Preis. Und ich war wieder einmal überrascht von der freundlichen Hilfsbereitschaft der Einheimischen. Sowas ist echt nicht selbstverständlich! Und ich kam doch mal wieder sicher in meinem Airbnb an. Irgendwie klappt das doch immer.
Aber jetzt zu Puerto Plata. Die Stadt ist wunderschön! Es gibt viele schöne alte Häuser zu bestaunen. Grafitis an den Häusern. Eine wunderschöne Sicht über das Meer. Straßenkünstler. Schöne Straßen und – und da hatte ich wirklich Glück: Karneval im März!
Fischverkauf am StrandBurg um Piraten ab zu währenFriedhof überall werden frische Blumen verkauft
Es war mal wieder einfach Glück. Der Karneval wurde wegen des schlechten Wetters der Wochen davor verschoben. So kam ich in den Genuss meines ersten karibischen Karneval. Es war einfach irre. Ein bisschen wie die Schwäbisch-Alemannische Fasnet mit ihren Umzügen im Schwarzwald. Bloß bunter. Und mehr Twerken. Twerken ist allgemein etwas, was hier eine sehr große Bedeutung hat! Aber man sieht eindeutig, dass die Kultur hier sehr beeinflusst ist durch die frühere Kolonialmächte, durch die Kultur, die die Sklaven aus Afrika mit gebracht haben und die Kultur die sich schon immer hier war. Ein Mischmasch, dessen Zauber man sich nicht entziehen kann.
Der hat mir einfach an der Haaren gezogen!die Abholzung der Wälder wird hier auch kritisch gesehenHier tragen alle Strumphosen, Make-up und KleiderMusikanlage
Die Brücke von Samana, das Wahrzeichen der Halbinsel
Die Dominikanische Republik ist einer der weltweiten Hotspots für Whale-Watching! Genauer gesagt Samana. In der Bucht versammeln sich von Januar bis März unzählige Buckelwale. 12 – 15m lang und bis zu 40.000 kg schwer können diese Riesen werden. Sie zu sehen, ist ein absolutes Highlight! Außerdem gibt es hier die Bacardi-Islands. Auf denen wurde mal ein Bacardi Werbespot gedreht. Und sie sind der absolute Karibik-Strand-Traum1!
Ich buchte eine Tour, um beides miteinander zu verbinden. Von meinem Hostel wurde ich mit einem Motorrad abgeholt. Gruselig. Das erste mal in meinem Leben, dass ich auf einem Motorrad saß. Ohne Helm! Aber ich hab überlebt. Zum Glück. Am Hafen ging es dann auch direkt aufs Boot und raus aufs Meer. Nach kurzer Zeit sprühte neben uns Wasser nach oben. Der erste Wal! Ein ausgewachsener Buckelwal. Einfach atemberaubend. Aber ich muss sagen, sie sehen ein bisschen aus wie sehr sehr große Schweinswale. Und was mich noch verblüfft hat, war, dass alle ihre Bewegungen fast wie in Zeitlupe erscheinen. Sie sprühen Wasser, tauchen langsam wieder ab, erst sieht man die Rückenflosse und dann die Schwanzflosse. So als hätte jemand das ganze in Slow Motion abgespielt. Sehr Respekt-einflößend!
Die Fotos sind leider nicht sehr gut geworden. Ich war einfach viel viel zu beeindruckt von diesen Tieren, als dass ich ans Fotosmachen denken konnte.
Weiter auf die Bacardi-Islands. Es fühlte sich an, als würde ich mitten in der Werbung stehen.https://youtu.be/UXsF7UiiT44 falls jemand die Werbung nicht kennt, unbedingt anschauen! Bacardi wurde früher auch auf Kuba produziert. Allerdings floh die Familie während der Kubanischen-Revolution in die USA. Seitdem wird in den alten Fabriken von Bacardi, Havana Club hergestellt. Das alte Haus der Bacardi-Familie kann man in Havanna immer noch bestaunen. Irre. Es war genau wie auf den Fototapeten, die früher überall hingen. Die Insel selbst ist überschaubar. In 20 Minuten ist man einmal rum. Aber bei diesem traumhaften Strand braucht man ja auch nicht mehr. Also sprang ich schnell ins Wasser, schwamm eine Runde und genoss den Rest des Tages unter Palmen an einem der schönsten Stände, an denen ich jemals war. Wahrscheinlich war es sogar DER schönste Strand, an dem ich jemals war.
Auf dem Rückweg mit dem Boot genoss ich noch die beeindruckende Sicht auf die Brücke von Samana.
Das zweite Mal in Havana, kam mir die Stadt gar nicht mehr so chaotisch vor. Ich konnte mich sogar schon grob orientieren. Leider flog Alisa dann auch schon weiter. Unsere Reise zusammen war echt schön.
So dachte ich mir, ich muss Havana jetzt noch ein bisschen mehr verstehen. Daraufhin habe ich verschiedenste Touren durch die Stadt gemacht. Und plötzlich kam mir alles gar nicht mehr so unorganisiert vor. Ganz im Gegenteil. Es ist sehr beeindruckend, wie hier alles doch irgendwie funktioniert.
Die eine Tour war mit einer jungen Kubanerin. Sie erzählte mir, dass ich die erste Tour auf Deutsch war, die sie gemacht hatte, seit Corona. Sie freute sich total. Sie erzählte mir viel von dem alltäglichen Leben. Vor allem erzählte sie, dass das Leben jetzt, nach, bzw. während Corona, viel viel schwerer sei. Die extreme Inflation macht das Versorgen einer Familie fast unmöglich. Offiziell wird von einer Inflation von 70% seit vor Corona geredet. Viele unabhängige Prüfstellen reden aber von einer Inflation von bis zu 500%. Zusätzlich wurde Anfang des Jahres der CUC, die Währung für Touristen, abgeschafft. Dies sorgte in den letzten Monaten für einen starken Fall des CUP`S. Sie erklärte mir auch, dass jede Familie hier jedes Jahr ein kleines graues Essensbuch bekommt. Mit diesem Buch können sie dann alle lebensnotwendigen Sachen kaufen. So der Gedanke. In der Realität reichen die Lebensmittel für höchstens zwei Wochen. Alles was man dann zusätzlich braucht, muss man sich über den Schwarzmarkt besorgen. Vor Corona war dies nur sehr teuer: Der ganze Einkauf über das Versorgungsheft hat etwa 20 Peso für eine Familie gekostet. Den Rest auf den Schwarzmarkt zu besorgen, 2.000 Peso. Aktuell sind die Preise an den staatlichen Supermärkten genau so teuer wie auf dem Schwarzmarkt. Das heißt, dass jetzt, nach der Inflation, bei den meisten Familien das gesamte Einkommen (in Durchschnitt 40€, also 4.000 CUP) für Lebensmittel ausgegeben wird. Zusätzlich ist mir nun auch bewusst geworden, warum das Essen hier meist nicht gewürzt ist. Das einzige Gewürz, welches man offiziell hier erwerben kann, ist Salz. Alles andere muss man sich auf dem Schwarzmarkt organisieren. Aber auch an die offiziellen Lebensmittel zu kommen, ist gar nicht so leicht. Häufig gehen die Letzten in der Schlange vor dem Supermarkt leer aus. Deswegen sieht man häufig illegale Lebensmittelverkäufe, entweder als Stände am Straßenrand oder auch Zwiebeln und Knoblauch, die aus dem Kofferraum verkauft werden. Es ist halt einfach ein illegales Geschäft.
Zwiebeln werden aus dem Kofferraum verkauftIllegale Straßenverkäufe
Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit, Lebensmittel und andere lebensnotwendige Dinge zu besorgen. Die sogenannten internationalen Läden. In denen kann jeder so viel kaufen wie er möchte. Problem ist nur, dass man mit Euros, Pfund oder Schweizer Franken bezahlen muss. Und das, obwohl diese Läden staatlich sind. Jeder Kubaner besitzt eine Kreditkarte für diese Läden. Auf diese Kreditkarte können Verwandte aus dem Ausland Geld laden. Dollars werden nicht akzeptiert. Oder die Leute laden auf diese Karten Bargeld, welches sie durch Geschäfte mit Touristen bekommen haben. Deswegen wird man auch immer gefragt, ob man Geld wechseln möchte, oder ob man in Euros bezahlen kann. So langsam versteh ich das alles ein bisschen mehr.
Sie erzählte mir auch, dass es in dem historischen Teil von Havanna eine Organisation gibt, die die Restaurierung der Gebäude und touristische Attraktionen organisieren. Dies ist ein staatlich unterstütztes Projekt. Sogar die Straßenmusiker, Künstler oder die traditionell gekleideten Personen gehören dazu. Aber auch die hiesigen Straßentiere. Als ich das erste mal in Havanna war, hatte ich mich die ganze Zeit gewundert, warum die Hunde und Katzen im historischen Teil der Stadt, Zettel um den Hals tragen. Sie erklärte mir, dass diese Zettel das Symbol dafür sind, dass diese Tiere mit im Programm sind. Sie werden gefüttert, sind gegen alles geimpft, entwurmt und entfloht und müssen regelmäßig zum Tierarzt. Zusätzlich gibt es viele Leute, die sich um sie kümmern. So sind sie auch an Menschen gewöhnt und man kann sie bedenkenlos streicheln. In meinen Augen einfach ein tolles Projekt.
Ich hab noch eine Tour mit einem Wirtschafts-Professor von der Uni Havana gemacht. Auch sehr spannend. Langsam habe ich verstanden, wie schwierig die wirtschaftliche Situation von Kuba wirklich ist. Es sind nur Touren der staatlichen „Cuba Tours“ gestattet. Die Spanne zwischen arm und reich ist hier sehr groß. Allerdings hat jeder Mensch, der nach der Revolution in einer Wohnung gewohnt hat, diese vom Staat geschenkt bekommen. Das erklärt, warum die einzelnen Wohnungen auch außen individuell gestaltet sind.
Im Hintergrund das CapitolJeder streicht seine Wohnung, wie es ihm gefällt. Auch außen.
Der Abflug
Mein Abflug war mal wieder sehr authentisch. Ich wollte von Havanna über Florida und die Cayman-Islands in die Dominikanische Rebublik. Mir haben schon alle gesagt, dass die Mitarbeiter am Flughafen langsam sind. American Airlines schickte extra eine E-Mail, dass man 4 stunden vorher da sein soll. Vorausschauend, wie ich bin, war also 6 Stunden vor meinem Flug da. Zum Glück. Das ganze Chaos begann damit, dass der Flughafen spontan beschlossen hatte, dass alle Touristen zum Betreten des Flughafens einen negativen Corona Test brauchen. Also musste ich spontan einen Corona-Test machen, den ich natürlich nur mit meiner Kreditkarte bezahlen konnte. Alle Touristen liefen also mit ihrem ganzen Gepäck in einer langen Schlange erst mal eine ganze Strecke an der Autobahn und danach noch quer über ein Feld bis zu einem kleinem Haus, in dem es dann den Test gab. Das ganze Procedere dauerte über 2 Stunden. Zurück am Flughafen, wurde mein Terminal geändert. Ein Polizist organisierte mir ein Taxi zu dem anderen Terminal, das ich mit meinen letzten Euros bezahlte. Am richtigen Flughafen stellte ich dann fest, dass die Cazymann Islands, über die ich fliegen musste, da man von Kuba in die USA kein one-way-Ticket kaufen kann, nun plötzlich eine elektronische Anmeldung wollten. Das stand natürlich alles nicht online. Ich, total verzweifelt, musste erst mal mein SIM-Karte mit mehr Geld aufladen und setzte mich dann an das online Formular. Leider war auf Kuba der Scanner zum Verifizieren des geimpften Status gesperrt, wie so viele andere wirklich wichtigen Webseiten und Funktionen. Also musste ich ein Foto von meinem Impfpass hochladen. Dann bekam ich die Bestätigung, die Bearbeitung dauert 5 Tage. 5 Tage?!? Mein Flug war in 3 Stunden! Die Frau am Schalter fing schon parallel an, mit der Behörde zu telefonieren, um das alles zu beschleunigen. Aber zum Glück hab ich ja Papa. Der meinte entspannt, wie immer wenn es ums Reisen geht, dass er es auch von zu Hause aus probiert. Und das funktionierte sofort! Was ein Glück! Da kam endlich die ersehnte Bestätigung. Nach dem ich endlich auch am Schalter durch war (die Leute arbeiteten so langsam, das fühlte sich an, wie bei den Faultieren in Zoomania) habe ich doch noch eben so meinen Flieger bekommen. Aber nur, weil es keinerlei Sicherheitskontrollen gab.
Schon beim ersten Mal durch die Stadt schlendern, fielen mir die riesigen Regenrinnen auf der Straße auf. Es hat eher was von über die Straße hüpfen, als von gehen.
riesige Regenrillen
Und ich musste mich auch erst mal in das Land herein finden. Ich brauche immer etwas Zeit, wenn ich einem neuen Land ankomme. Was mir hier in der Dominikanischen Republik sofort auffiel, war die extreme Polizeipräsenz. An jeder Ecke stehen Polizisten mit Schlagstöcken. Regelmäßig fahren schwer bewaffnete Polizisten auf Motorrädern herum (Fotos gibt es nicht, hab ich mich nicht getraut habe welche zu machen). Am ersten Tag bin ich auch direkt an einem zertrümmertem Polizeiwagen vorbeigelaufen. Seltsam. Auch sind alle Fenster vergittert. Vielleicht muss ich dazu sagen, dass ich mich in der Dominikanischen Republik sicherer gefühlt habe, als auf Kuba. Aber trotzdem beunruhigt mich so viel Polizei immer.
Aber erst mal von Anfang: Natürlich hab ich mir die ganzen Klassiker angeschaut, die älteste Kirche der USA, die Columbus Statue, die alte Stadtmauer, Zigarren-Shops, das Grab von Columbus…
Was mich aber echt überrascht hat, war am Sonntag. Auf dem Marktplatz gab es Musikunterricht. Alle Instrumente. Alle Altersgruppen. Alles quer durch einander. Ein lustiges Treiben. Bloß sehr schräg an zu hören. Bis es dann schlagartig anfing, wie aus Eimern zu schütten. Regen in der Karibik?! Das hätte ich nicht erwartet. Innerhalb von Minuten war alles überschwemmt. So plötzlich wie der Regen kam, hörte er auch wieder auf. Und da kamen die Rillen vom Anfang zum Einsatz. Nur Minuten später war alles schon wieder so, als hätte es niemals schlechtes Wetter gegeben. Die Instrumente wurden wieder ausgepackt und alle machten weiter. Schräg.
Gesangs-Unterricht
ein wirklich buntes Treiben
Das Spektakel wurde nur noch getoppt von zwei Papageien, die vorbei flogen. Sich auf einen Baum setzten. Laut meckerten und anschließend weiterflogen. Jap, sie sehen auch in der Natur aus, wie bei Hagenbeks-Tierpark.
Papageien in freier Wildbahn
Und dann ging ich meiner Lieblingsbeschäftigung nach: Ich schlenderte stundenlang durch alle Supermärkte in der Gegend. Natürlich schau ich immer, ob es was aus Deutschland gibt. Aber vor allem liebe ich es, durch die Gemüseabteilung zu schlendern. Es gab hier Avocados in allen Größen und Farben. Irre. Bananen, einfach köstlich. Pyramiden aus Ananas, Mengen an Jamswurzel (in meinen Augen einfach die bessere Kartoffel), Wassermelonen, Spargel, weißen und grünen, ganzjährig. Irre. Ein echter Veganer-Traum.
Jamswurzelndie grünen Bananen sind KochbananenAvocados, so weit das Auge reichtWas gibt es Schöneres, als durch Supermärkte zu schlendern!
Auf dem Weg zur Busstation nahm ich ein Uber. Und da wurde ich mal wieder von der Freundlichkeit der Menschen hier überrascht. Ich unterhielt mich mit meinem Fahrer. Per Googelübersetzter. Einer tippte, Google erzählte. Wir kamen darüber zu sprechen, dass ich alleine unterwegs war. Das beeindruckte ihn so sehr, dass er mir direkt seine Santo Domingo Cap schenkte, die als Deko am Rückspiegel hing.
Zunächst war die Dominikanische Republik ein rein praktisches Reiseziel. Ich bin zum Mitte März in Puerto Rico verabredet und dort komme ich von der Dominikanischen Republik aus mit der Fähre hin. Zum anderen wollte ich schon immer dort hin, seit ich einen Bericht von Thilo Mischke gesehen hatte. Gedacht, getan. Ich buchte mir einen Flug von Havanna über die Kaman-Islands und Florida nach Santo Domingo. Ja. Tatsächlich kann man nur so fliegen. Alles andere wäre auch zu einfach.
Den einzigen Fehler, den ich begingwar, dass ich vor meinem Flug die Seite vom Auswärtigen Amt las und dann mit einem mulmigen Gefühl abflog. Dieses Gefühl verflog, sobald ich gelandet war. Die Herzlichkeit der Menschen hier hat mich direkt gepackt.
In meinen Augen auf jeden Fall ein sehr sehr unterschätztes Reiseziel!
Die Fahrt nach Vinales gestaltete sich sehr sehr schwer, da unser Host kein Taxi für uns organisieren wollte. Er hatte uns einfach nicht ernst genommen. Wahrscheinlich, weil wir zwei junge Frauen waren, die seine Sprache nicht sprachen. Wir mussten uns ohne fremde Hilfe durchkämpfen. Da der Bus nach Havana nur einmal am Tag fährt und Touristen keine Bustickets im voraus kaufen dürfen, war der Bus natürlich längst schon ausgebucht. Die Touristenbusse, die von Stadt zu Stadt fahren, gibt es im Moment wegen Corona nicht. Wir haben uns also an die Hauptstraße gestellt und ein Taxi heran gewunken, wie wir es ein paar Tage vorher gelernt hatten. Nach einer sehr hitzigen Diskussion über den Preis (der erste Taxi-Fahrer wollte 100€ bis nach Havana in einem Taxi mit acht Personen, der Bus wären 5 € gewesen) konnten wir uns dann auf 20€ pro Person einigen. Dieser Preis war immer noch deutlich höher als für lokale Leute, aber als Tourist muss man da manchmal durch. In Havanna angekommen, versuchten wir nun, ein Taxi nach Vinales zu finden, weil der Bus schon wieder ausgebucht war. Wir setzten uns also in ein kleines Taxi – es war eher ein kleiner Transporter und wir im Frachtraum – und fuhren los. Irgendwie kam mir die ganze Situation schon sehr komisch vor. Nicht nur, dass ich die Tür die ganze Zeit zuhalten musste, auch der Taxifahrer war merkwürdig. Ich checkte also die ganze Zeit in meiner Offline-Map die Fahrtstrecke und hatte die andere Hand am Türgriff, damit sie nicht aufspringt. Plötzlich hielten wir an. Der Fahrer meinte, wir wären da. Wir waren noch 30 km von Vinales entfernt!!! Der Fahrer packte einfach unsere Koffer aus und fuhr weg. Ich war so froh, dass ich nicht alleine war und dass wir mobile Daten hatten! Mal wieder sprach keiner Englisch. Aber wir sahen wohl sehr hilflos aus. So hilflos, dass uns ein Kubaner den Weg zum Busbahnhof zeigte. Dort versuchten wir herauszufinden, ob ein Bus nach Vinales fährt. Die Mitarbeiterin am Schalter sprach zwar kein Englisch aber sie verstand zumindest ein Wort: Vinales. Leider verstanden wir einfach ihre Anweisung nicht. Da nahm sie einfach meine Hand, führte uns durch den ganzen Busbahnhof und setzte uns in den richtigen Bus. Unsere Rettung.
Als Bus konnte man das Gefährt jedoch nicht bezeichnen. Es war ein Jeep mit Ladefläche, auf der Bänke waren. Aber zumindest fuhr er wirklich nach Vinales. Als wir dann nach einem kurzen Fußmarsch an unserer Unterkunft ankamen waren wir total fertig, mit den Nerven und auch körperlich. Um so mehr freuten wir uns über die Freundlichkeit unserer Host. Es war fast wie zu Freunden zu Besuch zu kommen. Obwohl auch sie kein Englisch sprach. Wir haben direkt Kaffe und einen frischen Ananas-Saft bekommen. Und dann hat sie einen Freund angerufen, dessen Sohn ein bisschen Englisch sprach, und zum übersetzten vorbei kam. Das ist genau das was wir nach so einem Tag brauchten.
Dann sind wir endlich in den Stadtkern gegangen. Hungrig, um noch was zu essen. Doch dem Schicksal waren das noch nicht genug Abenteuer für einen Tag! Unser Essen war gerade da, da fiel aus dem Baum, unter dem wir saßen, ein Frosch. Direkt aus Alisas Kopf. Jetzt gibt es auf Kuba nur ein einziges giftiges Tier. Einen Laubfrosch. Alisa kreischte. Der Kellner kreischte. Das ganze Restaurant lachte. Da nahm der Kellner all seinen Mut zusammen und schlug den Frosch aus Alias Haaren. Sagen wir mal so, nachdem der Kellner den Frosch entfernt hatte, konnte man nicht mehr bestimmen, welche Froschart es war.
Am nächsten Tag Frühstück auf dem Dach der Unterkunft. Von hier aus konnten wir das erste Mal sehen, wie schön Vinales ist.
Zum Frühstücken blieb und aber nicht viel Zeit. Wir mussten los zu unserem Ausritt auf eine Tabakplantage. Per Pferd! Es war das erste Mal nach 10 Jahren, dass ich wieder auf einem Pferd saß! Aber wirklich reiten mussten wir nicht. Die Pferde sind artig hintereinander hergelaufen und wir saßen halt oben drauf. Die Aussicht war unglaublich.
Auf der Tabakplantage, wurden wir in das Geheimnis der kubanischen Zigarren eingeweiht! Es wurden uns die Felder gezeigt, auf dem die Pflanzen wachsen, Wir sahen, wo der Tabak trocknet und natürlich wie die legendäre Kubanische Zigarre gerollt wird. Der Stängel des Blattes wird dabei, zumindest bei den Zigarren, die von den Farmern produziert werden, herausgenommen. So haben die Zigarre 80% weniger Nikotin. Super interessant. Zusätzlich erfuhren wir, dass ein Farmer 90% der fertig getrockneten und eingelegten Tabakblätter als Abgaben an den Staat geben muss. Was für den Farmer bleibt, reicht eben so zum Überleben. Und natürlich haben wir eine Zigarre geraucht.
Unsere Tour ging dann weiter auf eine Kaffee- und Guayave Plantage. Nachdem uns alle Pflanzen gezeigt wurden, mussten wir natürlich auch verkosten. Das heißt, nach der Zigarre vom Stop davor, gab es jetzt Kaffee und Guayave-Rum. Der Ritt zurück ging dann auch gleich viel viel einfacher.
unser Tourgide
Zum Sonnenuntergang sind wir noch in ein Restaurant mit einer wirklich beeindruckenden Aussicht über das ganze Tal gegangen. Es war mal wieder unglaublich schön.
Gratis WLAN hat auf Kuba eine andere Bedeutung. Damit ist gemeint, dass ein Router vorhanden ist. Dazu muss man sich eine WLAN-Karte im ETECSA Store kaufen. 1 Stunde WLAN kostet 1 $,€ … . Dieses WLAN ist meist sehr, sehr langsam. Der einfachste Weg ist, sich eine Simkarte zu kaufen. Diese kostet 1000 CUP. Auf diese Karte kann man in jedem ETECSA Store, und die gibt es wirklich überall, Geld aufladen. 2,5 GB kosten 200 CUP.
Flughafen
Plane viel viel Zeit ein! Ich wurde zwar vorgewarnt, aber die Mitarbeiter am Flughafen sind wirklich sehr sehr langsam. Ich habe 5 1/2 Stunden beim Checkin gebraucht. Zum Glück war ich paranoid genug, rechtzeitig da zu sein. Zusätzlich brauchte jeder Tourist auch noch einen negativen Coronatest, wusste keiner vorher. Und auch am Flughafen wird kein Englisch gesprochen. Also braucht man sehr sehr viel Nerven und noch mehr Zeit.
Sprache
Das mit der Sprache ist auch so eine Sache. Alle haben mir vorher erzählt, dass die Kubaner praktisch ausnahmslos Englisch sprechen. Also diese Erfahrung hab ich gar nicht gemacht. Wenn man kein Spanisch spricht, braucht man auf jeden Fall einen Übersetzter. Und zur Not muss man sich ganz klassisch mit Händen und Füßen verständigen.
Geld
Auf Kuba kann man nirgendwo mit Kreditkarte bezahlen. Außer in den Internationalen Läden. Diese sind aber unbeschreiblich teuer. Man zahlt schnell mal für eine kleine Flasche Wasser 5 € oder sogar mehr. Bargeld am Geldautomaten abzuheben, ist auch eine teure Option. Dort bekommt man das Geld nur zu den offiziellen Kursen. Diese beziehen sich aber auf die Inflationsrate, die die Regierung festgelegt hat. Dadurch bekommt man für 1€ etwa 25 Peso. Daher bietet es sich an genug Bargeld mit nach Kuba zu nehmen. Alle Kubaner freuen sich über Bargeld. Und wechseln kann man überall. Allerdings sollte man dabei vorsichtig sein. Das sicherste ist es, einfach in der Unterkunft das Geld zu tauschen, da die Hosts einem wahrscheinlich kein Falschgeld geben werden. Zusätzlich muss man noch bedenken, dass Dollar, Euro, Pfund … auf der Straße das gleiche sind. Man bekommt immer für 1 €/$… 100 CUP. Wenn man dieses noch bedenkt, kann man über seine Reise viel Geld sparen.
Transport
Von den meisten Städten zu den anderen fahren regelmäßig Busse. Diese sind allerdings häufig ausgebucht und sehr langsam. Zusätzlich kostet es das gleiche, als wenn man sich zu zweit ein Taxi teilt. Daher haben wir immer Taxen genutzt. Es bietet sich an, den Host darum zu bitten, das Taxi zu rufen, da man dadurch nicht den Touristenpreis bezahlen muss.
Innerhalb eines Ortes sind die Busse aber sehr sehr günstig. Diese zu benutzen, ist jedoch etwas abenteuerlich (s. Varadero). Aber macht man die ganze Reise nicht für Abenteuer?
noch ein paar Eindrücke:
In allen Parks, egal in welchem Ort wir auf Kuba waren, sah man spätestens ab 10:00 Menschen die Rum tranken. Da häufig Rum sogar günstiger als Wasser zu kaufen gibt, ist es auch einfach sehr verlockend. Und Rum gibt es auch einfach immer und überall zu kaufen.
Häufig gab es die Situationen das Trinkwasser einfach ausverkauft war. Dann muss man halt mal einen Mojito statt Wasser Trinken. Ist eh häufig günstiger. Das Leitungswasser trinken hier aber die Einheimischen auch nicht. In meiner letzten Unterkunft, war das warme Wasser, welches aus der Leitung kam, braun. Das kalte Wasser riecht stark nach Chlor.
Und was mir auf Kuba noch aufgefallen ist. Die Kubaner lieben Minze. Minze passt laut den Kubanern zu allem. So findet man auf jeder Pizza oder auf jeden Nudeln, Minze. Ich bin da doch eher klassisch und würde eher Basilikum bevorzugen. Naja, andere Länder an der Sitten.
Hier steht das berühmte Denkmal von Che Guevara. Darüber hinaus war Santa Clara deutlich der authentischste Ort an dem wir waren. Man kann die Armut in der die Leute hier leben nicht übersehen. Auch das Denkmal und das anschließende Museum waren sehr kubanisch. Ein Raum, eiskalt und wenn es zu den Ausstellungsstücken eine Beschreibung gibt, nur auf Spanisch.
Trotzdem war es auch wichtig mal einen authentischen Teil vom Land zu sehen. Der nur bedingt abhängig von dem Tourismus ist.
Übernachtet haben wir wieder bei einer Familie. Dieses mal war unser Host sehr darüber besorgt, dass wir in der Stadt nicht verloren gehen. Er hat uns einen Stadtplan ausgedruckt und uns 20 mal erklärt wie wir ihn benutzen müssen. Und ja, wenn man sich umdreht und dann in die andere Richtung läuft, lohnt es sich auch einen Stadtplan um zu drehen. Aber wir haben es nicht übers Herz gebracht ihm zu erzählen, dass wir ja auch einfach google maps nutzen können.
Trinidad war unser nächstes Stop auf unserer kleinen Rundreise durch die Insel. Am Hostel wurden wir, mit eine Stund Verspätung von einem alten Auto abgeholt. Aber später meinte mal eine Kubanerin zu mir, das die Zeit für Kubaner etwas Elastisches sei. Ich finde diese Bezeichnung trifft es sehr gut. Jede zeitliche Verabredung ist hier plus / minus eine Stunde. Alles halt ein Abenteuer. Wir wurden auch direkt von einem Zigarre rauchendem Polizisten kontrolliert und mussten eine Vollbremsung machen, weil plötzlich ein Ochse auf die Straße gerannt kam. Kurz vor Trinidad war die Straße dann gesperrt, so dass unsere Fahrt direkt von 3 auf 5 Stunden verlängert wurde. Aber Zeit ist ja elastisch. Ich muss alles nur entspannter sehen. Und die Aussicht war atemberaubend!
Trinidad ist ein kleines Dorf im Süden des Landes. Ehemals bekannt durch die Zuckerrohrplantagen von denen es umgeben ist. Heutzutage ist es eher nur noch ein touristischer Ort. Dadurch, dass aber wegen Corona fast keine Touristen auf der Insel sind, war alles leer. Wir waren häufig im Restaurant die einzigsten Gäste.
Aber erst mal zum Anfang: In Trinidad haben wir bei einer Familie in einem kleinen Zimmer geschlafen. Sie waren super herzlich und haben uns morgens mit viel Liebe ein Frühstück zu bereitet. Wir haben uns dann erst mal aufgemacht, um das Dorf zu erkunden. Nach einer Stunde waren wir auch schon damit durch. Trinidad ist sehr überschaubar. Aber super schön und absolut sehenswert.
Jede Ecke ist ein Foto wert
Den Abend haben wir dann mit einem la Canchanchara ausklingen lassen. Einem typischen Cocktail für die Region, bestehend aus Honig, Rum und Zitrone. Sehr lecker, aber wie alle Cocktails auf Kuba, sehr stark.
Doch das Dorf ist nicht das einzige, was hier sehenswert ist: wir wollten in den angrenzenden Regenwald! Wir fragten also unseren Host. Er rief dann einen befreundeten Farmer an, welcher spontan zusagte mit uns los zu fahren. Er wollte uns mit einer Kutsche abholen. Eine Kutsche. Wir hatten uns viel vorgestellt. Als er dann aber mit dem Pferd um die Ecke kam, war es ein Holzanhänger, mit dem er normalerweise aufs Feld fährt. Authentisch, aber auch abenteuerlich. Bei jeder Bewegung des Pferdes wackelte der Anhänger und Alisa quickte laut auf. Spätestens nach Zwei Minuten wusste ganz Trinidad, dass wir unterwegs waren. Und uns Stadtmenschen tat danach tagelang der Po weh. Aber das war es total Wert! So sind wir dann aus dem Dorf heraus gefahren. Mal wieder mit einer unglaublichen Aussicht! Einfach irre.
die KutscheDer Weg zum Wasserfall
Auf dem Weg zum Wasserfall haben wir bei verschiedenen anderen Farmern angehalten. Unser erster Stopp war auf einer Zuckerplantage. Dort wurde uns alles gezeigt und wir durften unseren eigenen Zuckerrohrsaft pressen und natürlich danach auch probieren.Schmeckt sehr lecker, nicht ganz so süß, wie man sich ihn vorstellt. Sie erklärten uns auch, dass die Feldarbeit früher von Sklaven getätigt wurde. Daher gibt es auch heute noch eine sehr große afrikanische Gemeinden auf Kuba. Dort wurde mir plötzlich auch bewusst, warum mir das so bekannt vor kam. Als ich 2019 im Senegal war, waren wir an dem Ort von dem aus die Sklaven los gefahren sind. So schließt sich plötzlich ein Kreis. Und irgendwie kam mir die Welt gleich ein ganzes Stück kleiner vor.
Zuckerrohr-Saft trinken vor einer Zuckerrohrplantagen
Anschließend ging es weiter zu einer kleinen Kaffeerösterei.
hier wird einfach ein Topf mit Kaffeebohnen in die Glut gestellt
Frisch gestärkt ging es dann los in den Regenwald. Von dem Pferdeparkplatz aus (Ja ein richtiger ausgeschilderter Parkplatz für Pferde) sind wir noch weiter in den Wald gewandert bis zu dem, von allen angepriesenen, Wasserfall. Naja als Wasserfall konnte man das wirklich nicht bezeichnen. Eher ein kleiner Bach, welcher in einem See endet. Aber es ist auch im Moment Trockenzeit. Zur Erfrischung konnten wir dann schwimmen gehen. Das war großartig! Immerhin hatten wir dauerhaft um die 35 Grad. Ich war fast nicht mehr aus dem Wasser heraus zu bekommen. Es war einfach toll.
Und Trinidad hat auch noch einen Strand! Den mussten wir natürlich auch erkunden. Unser Plan war, einfach mal einen Tag entspannen. Nichts tun. Aber es gibt ja keinen Tag ohne ein Abenteuer. Zuerst wurde mir mein Schatten, in dem ich lag und gedöst hatte, von einem Deutschen geklaut, welcher fest davon überzeugt war das er den Schatten gemietet hatte. Ich dachte dafür muss man sein Handtuch irgendwo hinlegen, aber ich bin auf dem Gebiet nicht so erfahren. Sorry… Danach hackte sich der Verkäufer von Chocomolos (frische Kokosnuss mit Rum) beim zerteilen einer Kokosnuss die Fingerkuppe ab. Er nahm es sehr locker und klebte einfach mit Panzertape ein Geschirrtuch rum. Naja die Leute nehmen hier einfach echt alles lockerer. Am Ende des Tages wurden wir noch von einem Schwarm von Strandfliegen überfallen! Diese Stiche begleiteten uns danach eine Woche. Trotzdem hat sich der Tag gelohnt, der Strand war einfach schön! So wie man sich einen kubanischen Strand vorstellt.
nachdem man den Rum gemischt mit dem frischen Kokoswasser getrunken hat, wurde die Kokosnuss geteilt und das frische Fruchtfleisch gegessenKuba, wie auf den Plakaten
„Warum eigentlich Kuba?“, haben viele gefragt. Zum einen, ganz einfach: Hier konnte ich relativ einfach einreisen (trotz der aktuellen Corona Situation) und das Wetter ist hier am Anfang des Jahres perfekt! Zum anderen, haben meine Mama und mein Onkel immer von Kuba geschwärmt. Bei jeder Gelegenheit haben sie erzählt, wie es damals war, als sie zusammen auf Kuba waren. Also dachte ich, dass ich mir es mal selbst anschauen muss. Eigentlich wusste ich nichts über Kuba und bin einfach los. Bewaffnet nur mit einem Lonely Planet, den Papa mir noch mitgegeben hatte.