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Santo Domingo

Stadtmauer von Santo Domingo

Schon beim ersten Mal durch die Stadt schlendern, fielen mir die riesigen Regenrinnen auf der Straße auf. Es hat eher was von über die Straße hüpfen, als von gehen.

Und ich musste mich auch erst mal in das Land herein finden. Ich brauche immer etwas Zeit, wenn ich einem neuen Land ankomme. Was mir hier in der Dominikanischen Republik sofort auffiel, war die extreme Polizeipräsenz. An jeder Ecke stehen Polizisten mit Schlagstöcken. Regelmäßig fahren schwer bewaffnete Polizisten auf Motorrädern herum (Fotos gibt es nicht, hab ich mich nicht getraut habe welche zu machen). Am ersten Tag bin ich auch direkt an einem zertrümmertem Polizeiwagen vorbeigelaufen. Seltsam. Auch sind alle Fenster vergittert. Vielleicht muss ich dazu sagen, dass ich mich in der Dominikanischen Republik sicherer gefühlt habe, als auf Kuba. Aber trotzdem beunruhigt mich so viel Polizei immer.

Aber erst mal von Anfang:  Natürlich hab ich mir die ganzen Klassiker angeschaut, die älteste Kirche der USA, die Columbus Statue, die alte Stadtmauer, Zigarren-Shops, das Grab von Columbus…

Was mich aber echt überrascht hat, war am Sonntag. Auf dem Marktplatz gab es Musikunterricht. Alle Instrumente. Alle Altersgruppen. Alles quer durch einander. Ein lustiges Treiben. Bloß sehr schräg an zu hören. Bis es dann schlagartig anfing, wie aus Eimern zu schütten. Regen in der Karibik?! Das hätte ich nicht erwartet. Innerhalb von Minuten war alles überschwemmt. So plötzlich wie der Regen kam, hörte er auch wieder auf. Und da kamen die Rillen vom Anfang zum Einsatz. Nur Minuten später war alles schon wieder so, als hätte es niemals schlechtes Wetter gegeben. Die Instrumente wurden wieder ausgepackt und alle machten weiter. Schräg.

Gesangs-Unterricht
ein wirklich buntes Treiben

Das Spektakel wurde nur noch getoppt von zwei Papageien, die vorbei flogen. Sich auf einen Baum setzten. Laut meckerten und anschließend weiterflogen. Jap, sie sehen auch in der Natur aus, wie bei Hagenbeks-Tierpark. 

Papageien in freier Wildbahn

Und dann ging ich meiner Lieblingsbeschäftigung nach: Ich schlenderte stundenlang durch alle Supermärkte in der Gegend. Natürlich schau ich immer, ob es was aus Deutschland gibt. Aber vor allem liebe ich es, durch die Gemüseabteilung zu schlendern. Es gab hier Avocados in allen Größen und Farben. Irre. Bananen, einfach köstlich. Pyramiden aus Ananas, Mengen an Jamswurzel (in meinen Augen einfach die bessere Kartoffel), Wassermelonen, Spargel, weißen und grünen, ganzjährig. Irre. Ein echter Veganer-Traum. 

Auf dem Weg zur Busstation nahm ich ein Uber. Und da wurde ich mal wieder von der Freundlichkeit der Menschen hier überrascht. Ich unterhielt mich mit meinem Fahrer. Per Googelübersetzter. Einer tippte, Google erzählte. Wir kamen darüber zu sprechen, dass ich alleine unterwegs war. Das beeindruckte ihn so sehr, dass er mir direkt seine Santo Domingo Cap schenkte, die als Deko am Rückspiegel hing.

Dominikanische Republik

Herzlichkeit und Lebensfreude und ganz viel Natur

Karneval in Puerto Plata

Zunächst war die Dominikanische Republik ein rein praktisches Reiseziel. Ich bin zum Mitte März in Puerto Rico verabredet und dort komme ich von der Dominikanischen Republik aus mit der Fähre hin. Zum anderen wollte ich schon immer dort hin, seit ich einen Bericht von Thilo Mischke gesehen hatte. Gedacht, getan. Ich buchte mir einen Flug von Havanna über die Kaman-Islands und Florida nach Santo Domingo. Ja. Tatsächlich kann man nur so fliegen. Alles andere wäre auch zu einfach.

Den einzigen Fehler, den ich begingwar, dass ich vor meinem Flug die Seite vom Auswärtigen Amt las und dann mit einem mulmigen Gefühl abflog. Dieses Gefühl verflog, sobald ich gelandet war. Die Herzlichkeit der Menschen hier hat mich direkt gepackt.

In meinen Augen auf jeden Fall ein sehr sehr unterschätztes Reiseziel!

Vinales

Die Fahrt nach Vinales gestaltete sich sehr sehr schwer, da unser Host kein Taxi für uns organisieren wollte. Er hatte uns einfach nicht ernst genommen. Wahrscheinlich, weil wir zwei junge Frauen waren, die seine Sprache nicht sprachen. Wir mussten uns ohne fremde Hilfe durchkämpfen. Da der Bus nach Havana nur einmal am Tag fährt und Touristen keine Bustickets im voraus kaufen dürfen, war der Bus natürlich längst schon ausgebucht. Die Touristenbusse, die von Stadt zu Stadt fahren, gibt es im Moment wegen Corona nicht. Wir haben uns also an die Hauptstraße gestellt und ein Taxi heran gewunken, wie wir es ein paar Tage vorher gelernt hatten. Nach einer sehr hitzigen Diskussion über den Preis (der erste Taxi-Fahrer wollte 100€ bis nach Havana in einem Taxi mit acht Personen, der Bus wären 5 € gewesen) konnten wir uns dann auf 20€ pro Person einigen. Dieser Preis war immer noch deutlich höher als für lokale Leute, aber als Tourist muss man da manchmal durch. In Havanna angekommen, versuchten wir nun, ein Taxi nach Vinales zu finden, weil der Bus schon wieder ausgebucht war. Wir setzten uns also in ein kleines Taxi – es war eher ein kleiner Transporter und wir im Frachtraum – und fuhren los. Irgendwie kam mir die ganze Situation schon sehr komisch vor. Nicht nur, dass ich die Tür die ganze Zeit zuhalten musste, auch der Taxifahrer war merkwürdig. Ich checkte also die ganze Zeit in meiner Offline-Map die Fahrtstrecke und hatte die andere Hand am Türgriff, damit sie nicht aufspringt. Plötzlich hielten wir an. Der Fahrer meinte, wir wären da. Wir waren noch 30 km von Vinales entfernt!!! Der Fahrer packte einfach unsere Koffer aus und fuhr weg. Ich war so froh, dass ich nicht alleine war und dass wir mobile Daten hatten! Mal wieder sprach keiner Englisch. Aber wir sahen wohl sehr hilflos aus. So hilflos, dass uns ein Kubaner den Weg zum Busbahnhof zeigte. Dort versuchten wir herauszufinden, ob ein Bus nach Vinales fährt. Die Mitarbeiterin am Schalter sprach zwar kein Englisch aber sie verstand zumindest ein Wort: Vinales. Leider verstanden wir einfach ihre Anweisung nicht. Da nahm sie einfach meine Hand, führte uns durch den ganzen Busbahnhof und setzte uns in den richtigen Bus. Unsere Rettung.

Als Bus konnte man das Gefährt jedoch nicht bezeichnen. Es war ein Jeep mit Ladefläche, auf der Bänke waren. Aber zumindest fuhr er wirklich nach Vinales. Als wir dann nach einem kurzen Fußmarsch an unserer Unterkunft ankamen waren wir total fertig, mit den Nerven und auch körperlich. Um so mehr freuten wir uns über die Freundlichkeit unserer Host. Es war fast wie zu Freunden zu Besuch zu kommen. Obwohl auch sie kein Englisch sprach. Wir haben direkt Kaffe und einen frischen Ananas-Saft bekommen. Und dann hat sie einen Freund angerufen, dessen Sohn ein bisschen Englisch sprach, und zum übersetzten vorbei kam. Das ist genau das was wir nach so einem Tag brauchten.

Dann sind wir endlich in den Stadtkern gegangen. Hungrig, um noch was zu essen. Doch dem Schicksal waren das noch nicht genug Abenteuer für einen Tag! Unser Essen war gerade da, da fiel aus dem Baum, unter dem wir saßen, ein Frosch. Direkt aus Alisas Kopf. Jetzt gibt es auf Kuba nur ein einziges giftiges Tier. Einen Laubfrosch. Alisa kreischte. Der Kellner kreischte. Das ganze Restaurant lachte. Da nahm der Kellner all seinen Mut zusammen und schlug den Frosch aus Alias Haaren. Sagen wir mal so, nachdem der Kellner den Frosch entfernt hatte, konnte man nicht mehr bestimmen, welche Froschart es war.

Am nächsten Tag Frühstück auf dem Dach der Unterkunft. Von hier aus konnten wir das erste Mal sehen, wie schön Vinales ist. 

Zum Frühstücken blieb und aber nicht viel Zeit. Wir mussten los zu unserem Ausritt auf eine Tabakplantage. Per Pferd! Es war das erste Mal nach 10 Jahren, dass ich wieder auf einem Pferd saß! Aber wirklich reiten mussten wir nicht. Die Pferde sind artig hintereinander hergelaufen und wir saßen halt oben drauf. Die Aussicht war unglaublich. 

Auf der Tabakplantage, wurden wir in das Geheimnis der kubanischen Zigarren eingeweiht! Es wurden uns die Felder gezeigt, auf dem die Pflanzen wachsen, Wir sahen, wo der Tabak trocknet und natürlich wie die legendäre Kubanische Zigarre gerollt wird. Der Stängel des Blattes wird dabei, zumindest bei den Zigarren, die von den Farmern produziert werden, herausgenommen. So haben die Zigarre 80% weniger Nikotin. Super interessant. Zusätzlich erfuhren wir, dass ein Farmer 90% der fertig getrockneten und eingelegten Tabakblätter als Abgaben an den Staat geben muss. Was für den Farmer bleibt, reicht eben so zum Überleben. Und natürlich haben wir eine Zigarre geraucht. 

Unsere Tour ging dann weiter auf eine Kaffee- und Guayave Plantage. Nachdem uns alle Pflanzen gezeigt wurden, mussten wir natürlich auch verkosten. Das heißt, nach der Zigarre vom Stop davor, gab es jetzt Kaffee und Guayave-Rum. Der Ritt zurück ging dann auch gleich viel viel einfacher. 

unser Tourgide

Zum Sonnenuntergang sind wir noch in ein Restaurant mit einer wirklich beeindruckenden Aussicht über das ganze Tal gegangen. Es war mal wieder unglaublich schön.

Vinales ist absolut einen Besuch wert.

Ochsen am Wegrand

Tipps und Tricks

Internet

Gratis WLAN hat auf Kuba eine andere Bedeutung. Damit ist gemeint, dass ein Router vorhanden ist. Dazu muss man sich eine WLAN-Karte im ETECSA Store kaufen. 1 Stunde WLAN kostet 1 $,€ … . Dieses WLAN ist meist sehr, sehr langsam. Der einfachste Weg ist, sich eine Simkarte zu kaufen. Diese kostet 1000 CUP. Auf diese Karte kann man in jedem ETECSA Store, und die gibt es wirklich überall, Geld aufladen. 2,5 GB kosten 200 CUP.

Flughafen

Plane viel viel Zeit ein! Ich wurde zwar vorgewarnt, aber die Mitarbeiter am Flughafen sind wirklich sehr sehr langsam. Ich habe 5 1/2 Stunden beim Checkin gebraucht. Zum Glück war ich paranoid genug, rechtzeitig da zu sein. Zusätzlich brauchte jeder Tourist auch noch einen negativen Coronatest, wusste keiner vorher. Und auch am Flughafen wird kein Englisch gesprochen. Also braucht man sehr sehr viel Nerven und noch mehr Zeit.

Sprache

Das mit der Sprache ist auch so eine Sache. Alle haben mir vorher erzählt, dass die Kubaner praktisch ausnahmslos Englisch sprechen. Also diese Erfahrung hab ich gar nicht gemacht. Wenn man kein Spanisch spricht, braucht man auf jeden Fall einen Übersetzter. Und zur Not muss man sich ganz klassisch mit Händen und Füßen verständigen.

Geld

Auf Kuba kann man nirgendwo mit Kreditkarte bezahlen. Außer in den Internationalen Läden. Diese sind aber unbeschreiblich teuer. Man zahlt schnell mal für eine kleine Flasche Wasser 5 €  oder sogar mehr. Bargeld am Geldautomaten abzuheben, ist auch eine teure Option. Dort bekommt man das Geld nur zu den offiziellen Kursen. Diese beziehen sich aber auf die Inflationsrate, die die Regierung festgelegt hat. Dadurch bekommt man für 1€  etwa 25 Peso. Daher bietet es sich an genug Bargeld mit nach Kuba zu nehmen. Alle Kubaner freuen sich über Bargeld. Und wechseln kann man überall. Allerdings sollte man dabei vorsichtig sein. Das sicherste ist es, einfach in der Unterkunft das Geld zu tauschen, da die Hosts einem wahrscheinlich kein Falschgeld geben werden. Zusätzlich muss man noch bedenken, dass Dollar, Euro, Pfund … auf der Straße das gleiche sind. Man bekommt immer für 1 €/$… 100 CUP. Wenn man dieses noch bedenkt, kann man über seine Reise viel Geld sparen. 

Transport

Von den meisten Städten zu den anderen fahren regelmäßig Busse. Diese sind allerdings häufig ausgebucht und sehr langsam. Zusätzlich kostet es das gleiche, als wenn man sich zu zweit ein Taxi teilt. Daher haben wir immer Taxen genutzt. Es bietet sich an, den Host darum zu bitten, das Taxi zu rufen, da man dadurch nicht den Touristenpreis bezahlen muss.

Innerhalb eines Ortes sind die Busse aber sehr sehr günstig. Diese zu benutzen, ist jedoch etwas abenteuerlich (s. Varadero). Aber macht man die ganze Reise nicht für Abenteuer?

noch ein paar Eindrücke:

In allen Parks, egal in welchem Ort wir auf Kuba waren, sah man spätestens ab 10:00 Menschen die Rum tranken. Da häufig Rum sogar günstiger als Wasser zu kaufen gibt, ist es auch einfach sehr verlockend. Und Rum gibt es auch einfach immer und überall zu kaufen.

Häufig gab es die Situationen das Trinkwasser einfach ausverkauft war. Dann muss man halt mal einen Mojito statt Wasser Trinken. Ist eh häufig günstiger. Das Leitungswasser trinken hier aber die Einheimischen auch nicht. In meiner letzten Unterkunft, war das warme Wasser, welches aus der Leitung kam, braun. Das kalte Wasser riecht stark nach Chlor.

Und was mir auf Kuba noch aufgefallen ist. Die Kubaner lieben Minze. Minze passt laut den Kubanern zu allem. So findet man auf jeder Pizza oder auf jeden Nudeln, Minze. Ich bin da doch eher klassisch und würde eher Basilikum bevorzugen. Naja, andere Länder an der Sitten.

Varadero

Varadero, das typische Traumziel auf Kuba. Einfach mal ganz entspannt am Strand liegen. Varadero war fast wie eine parallele Welt. Alles auf Touristen ausgelegt. In den meisten Restaurants konnte man nur in Euros oder in Doller bezahlen. Seltsam. Bloß individual Tourismus ist hier nicht sehr bekannt. Die ganzen Strandbars gehörten zu All inclusive Hotels, so dass wir dort nichts kaufen konnten. Total schräg. Auch die Restaurants waren nur auf Mittagessen ausgelegt, da alle abends in ihren Hotels aßen. Dadurch waren die Straßen ab 17:00 wie leergefegt. Aber der Strand! Der war genau so unglaublich, wie wir es uns vorgestellt hatten.

Das klarste Wasser, das ich je gesehen habe!

Aber nur Strand war für uns natürlich nicht genug. Es fehlte das Abenteuer. Auf Google wurde uns eine Tropfsteinhöhle in der Umgebung vorgeschlagen. Die mussten wir natürlich besichtigen. Ein Taxi dahin? Viel zu einfach. Wir sind also zum Busbahnhof gelaufen. Dort hat uns dann ein Mitarbeiter mit Google Übersetzer versucht, den Weg zu erklären. Er hat uns einen Fahrplan geschrieben und hat mit uns geübt, wie wir einen Bus richtig herwinken. Also: Man nimmt den größten Geldschein, den man hat in die Hand und winkt damit so auffällig wie möglich. Gesagt getan. Wir stellten uns an die Straße und winkten beim ersten Bus sehr selbstsicher mit unserem Geld. Es sah wohl doch nicht so professionell aus wie wir dachten… Sofort sprach uns ein Kubaner an und fragte uns nach unserem Ziel. Mit Hilfe von Google Maps, Händen und Füßen erklärten wir besagte Höhle zu unserem Ziel. Lässig winkte er den nächsten Bus und vermittelte uns im Bus auch gleich an jemanden, der uns beim Umsteigen an die Hand nehmen sollte. Einer übergab uns an den nächsten und nach einer Reihe von Bussen und wirklich hilfreichen Kubanern, landeten wir irgendwann tatsächlich am Ziel! Wir waren selbst ganz schön überrascht.

Die Tropfsteinhöhle war atemberaubend. Und wir hatten diesen magischen Ort fast für uns alleine. Unglaublich. Alle haben nur geflüstert, da es einfach magisch war. Und: In diesem glasklaren Wasser konnte man auch noch schwimmen!

Auch auf der Rückfahrt wurden wir von einem zum nächsten freundlichen Busfahrer weitergereicht. Und da war sie endlich: Die Kubanische Freundlichkeit, die wir in Havanna wirklich vermisst hatten.

Santa Clara

Marktplatz in Santa Clara

Hier steht das berühmte Denkmal von Che Guevara. Darüber hinaus war Santa Clara deutlich der authentischste Ort an dem wir waren. Man kann die Armut in der die Leute hier leben nicht übersehen. Auch das Denkmal und das anschließende Museum waren sehr kubanisch. Ein Raum, eiskalt und wenn es zu den Ausstellungsstücken eine Beschreibung gibt, nur auf Spanisch. 

Trotzdem war es auch wichtig mal einen authentischen Teil vom Land zu sehen. Der nur bedingt abhängig von dem Tourismus ist.

Übernachtet haben wir wieder bei einer Familie. Dieses mal war unser Host sehr darüber besorgt, dass wir in der Stadt nicht verloren gehen. Er hat uns einen Stadtplan ausgedruckt und uns 20 mal erklärt wie wir ihn benutzen müssen. Und ja, wenn man sich umdreht und dann in die andere Richtung läuft, lohnt es sich auch einen Stadtplan um zu drehen. Aber wir haben es nicht übers Herz gebracht ihm zu erzählen, dass wir ja auch einfach google maps nutzen können.  

Trinidad

Trinidad war unser nächstes Stop auf unserer kleinen Rundreise durch die Insel. Am Hostel wurden wir, mit eine Stund Verspätung von einem alten Auto abgeholt. Aber später meinte mal eine Kubanerin zu mir, das die Zeit für Kubaner etwas Elastisches sei. Ich finde diese Bezeichnung trifft es sehr gut. Jede zeitliche Verabredung ist hier plus / minus eine Stunde. Alles halt ein Abenteuer. Wir wurden auch direkt von einem Zigarre rauchendem Polizisten kontrolliert und mussten eine Vollbremsung machen, weil plötzlich ein Ochse auf die Straße gerannt kam. Kurz vor Trinidad war die Straße dann gesperrt, so dass unsere Fahrt direkt von 3 auf 5 Stunden verlängert wurde. Aber Zeit ist ja elastisch. Ich muss alles nur entspannter sehen. Und die Aussicht war atemberaubend!

Trinidad ist ein kleines Dorf im Süden des Landes. Ehemals bekannt durch die Zuckerrohrplantagen von denen es umgeben ist. Heutzutage ist es eher nur noch ein touristischer Ort. Dadurch, dass aber wegen Corona fast keine Touristen auf der Insel sind, war alles leer. Wir waren häufig im Restaurant die einzigsten Gäste.

Aber erst mal zum Anfang: In Trinidad haben wir bei einer Familie in einem kleinen Zimmer geschlafen. Sie waren super herzlich und haben uns morgens mit viel Liebe ein Frühstück zu bereitet. Wir haben uns dann erst mal aufgemacht, um das Dorf zu erkunden. Nach einer Stunde waren wir auch schon damit durch. Trinidad ist sehr überschaubar. Aber super schön und absolut sehenswert.

Jede Ecke ist ein Foto wert

 Den Abend haben wir dann mit einem la Canchanchara ausklingen lassen. Einem typischen Cocktail für die Region, bestehend aus Honig, Rum und Zitrone. Sehr lecker, aber wie alle Cocktails auf Kuba, sehr stark. 

Doch das Dorf ist nicht das einzige, was hier sehenswert ist: wir wollten in den angrenzenden Regenwald! Wir fragten also unseren Host. Er rief dann einen befreundeten Farmer an, welcher spontan zusagte mit uns los zu fahren. Er wollte uns mit einer Kutsche abholen. Eine Kutsche. Wir hatten uns viel vorgestellt. Als er dann aber mit dem Pferd um die Ecke kam, war es ein Holzanhänger, mit dem er normalerweise aufs Feld fährt. Authentisch, aber auch abenteuerlich. Bei jeder Bewegung des Pferdes wackelte der Anhänger und Alisa quickte laut auf. Spätestens nach Zwei Minuten wusste ganz Trinidad, dass wir unterwegs waren. Und uns Stadtmenschen tat danach tagelang der Po weh. Aber das war es total Wert! So sind wir dann aus dem Dorf heraus gefahren. Mal wieder mit einer unglaublichen Aussicht! Einfach irre. 

die Kutsche
Der Weg zum Wasserfall

Auf dem Weg zum Wasserfall haben wir bei verschiedenen anderen Farmern angehalten. Unser erster Stopp war auf einer Zuckerplantage. Dort wurde uns alles gezeigt und wir durften unseren eigenen Zuckerrohrsaft pressen und natürlich danach auch probieren.Schmeckt sehr lecker, nicht ganz so süß, wie man sich ihn vorstellt. Sie erklärten uns auch, dass die Feldarbeit früher von Sklaven getätigt wurde. Daher gibt es auch heute noch eine sehr große afrikanische Gemeinden auf Kuba. Dort wurde mir plötzlich auch bewusst, warum mir das so bekannt vor kam. Als ich 2019 im Senegal war, waren wir an dem Ort von dem aus die Sklaven los gefahren sind. So schließt sich plötzlich ein Kreis. Und irgendwie kam mir die Welt gleich ein ganzes Stück kleiner vor.

Zuckerrohr-Saft trinken vor einer Zuckerrohrplantagen

Anschließend ging es weiter zu einer kleinen Kaffeerösterei. 

hier wird einfach ein Topf mit Kaffeebohnen in die Glut gestellt

Frisch gestärkt ging es dann los in den Regenwald. Von dem Pferdeparkplatz aus (Ja ein richtiger ausgeschilderter Parkplatz für Pferde) sind wir noch weiter in den Wald gewandert bis zu dem, von allen angepriesenen, Wasserfall. Naja als Wasserfall konnte man das wirklich nicht bezeichnen. Eher ein kleiner Bach, welcher in einem See endet. Aber es ist auch im Moment Trockenzeit. Zur Erfrischung konnten wir dann schwimmen gehen. Das war großartig! Immerhin hatten wir dauerhaft um die 35 Grad. Ich war fast nicht mehr aus dem Wasser heraus zu bekommen. Es war einfach toll.

Und Trinidad hat auch noch einen Strand! Den mussten wir natürlich auch erkunden. Unser Plan war, einfach mal einen Tag entspannen. Nichts tun. Aber es gibt ja keinen Tag ohne ein Abenteuer. Zuerst wurde mir mein Schatten, in dem ich lag und gedöst hatte, von einem Deutschen geklaut, welcher fest davon überzeugt war das er den Schatten gemietet hatte. Ich dachte dafür muss man sein Handtuch irgendwo hinlegen, aber ich bin auf dem Gebiet nicht so erfahren. Sorry… Danach hackte sich der Verkäufer von Chocomolos (frische Kokosnuss mit Rum) beim zerteilen einer Kokosnuss die Fingerkuppe ab. Er nahm es sehr locker und klebte einfach mit Panzertape ein Geschirrtuch rum. Naja die Leute nehmen hier einfach echt alles lockerer. Am Ende des Tages wurden wir noch von einem Schwarm von Strandfliegen überfallen! Diese Stiche begleiteten uns danach eine Woche. Trotzdem hat sich der Tag gelohnt, der Strand war einfach schön! So wie man sich einen kubanischen Strand vorstellt.

nachdem man den Rum gemischt mit dem frischen Kokoswasser getrunken hat, wurde die Kokosnuss geteilt und das frische Fruchtfleisch gegessen
Kuba, wie auf den Plakaten

Kuba

Das erste Abenteuer

„Warum eigentlich Kuba?“, haben viele gefragt. Zum einen, ganz einfach: Hier konnte ich relativ einfach einreisen (trotz der aktuellen Corona Situation) und das Wetter ist hier am Anfang des Jahres perfekt! Zum anderen, haben meine Mama und mein Onkel immer von Kuba geschwärmt. Bei jeder Gelegenheit haben sie erzählt, wie es damals war, als sie zusammen auf Kuba waren. Also dachte ich, dass ich mir es mal selbst anschauen muss. Eigentlich wusste ich nichts über Kuba und bin einfach los. Bewaffnet nur mit einem Lonely Planet, den Papa mir noch mitgegeben hatte.

Havanna

Parque Central, der Oldtimer-Parkplatz

Gelandet bin ich in Havanna. Die Hauptstadt der Insel. Die Einreise war total problemlos. Keiner wollte meine mit viel Mühe vorbereiteten Unterlagen sehen. Aber egal. Erstmal ins Airbnb. 

Das Airbnb war zu meiner Überraschung genau so schön wie auf den Fotos: historische Fliesen, antike Möbel. Nur die Auskunft, meinen Host würde Englisch sprechen, stimmte leider gar nicht. Katastrophe! Und noch ein anderes Problem wurde mir plötzlich bewusst: Es gab kein WLAN! Eine Sache über die ich einfach nicht nach gedacht hatte! Aber egal. Hauptsache erst einmal schlafen.

https://www.airbnb.de/rooms/41676432?source_impression_id=p3_1646521359_hRQvJe2upOc%2FmtHG

Am nächsten Morgen bin ich losgelaufen. Kreuz und quer durch die Stadt, auf der Suche nach WLAN und, um ein Gefühl für die Gegend zu bekommen. Ich bin also kreuz und quer durch die Stadt und war nach kurzer Zeit überfordert. Viele Menschen. Viele Autos die quer durcheinander fahren. Straßentiere. Alles war irgendwie zu viel. Zum Glück hatte ich noch schnell am Flughafen in Hamburg eine Offline Map heruntergeladen. Ohne diese App hätte ich niemals mein Airbnb wiedergefunden. 

Internet und Pizza

Nach meinem Mittagsschlaf hatten mich auch schon die ersten besorgten SMS-Nachrichten von Papa erreicht. War ja eigentlich klar, dass er sich als erstes meldet. Aber WLAN hatte ich immer noch keins. Vom Hunger getrieben machte ich mich wieder auf ins Chaos. Mit Erschrecken musste ich feststellen, dass keiner Englisch spricht. Und, naja, mit meinem Latein kam ich halt auch nicht weiter. Also bin ich erst mal los, um eine Bank zu suchen. Ich brauchte Bargeld. An der ersten Bank war ich so verwirrt über die meterlange Schlange vor dem Automaten, dass ich weitergegangen bin. Bei der zweiten Bank musste ich dann feststellen, dass es dort genau so war. Also stellte ich mich an. So richtig ernst nahm mich aber keiner in der Schlange. Es haben sich permanent Leute vor mich gestellt. Sogar ein Polizist hat sich vorgedrängelt! Irgendwie klappte die Sache mit dem Geld dann doch. Mit meinen ersten Pesos (1€ für 24 CUP) bewaffnet habe ich mich auf die Suche nach was zu Essen gemacht. Am liebsten vegan. Vegetarisch ginge auch. In der Fußgängerzone musste ich feststellen, dass Pizza anschient das mit Abstand beliebteste Gericht ist. Also bestellte ich eine Pizza. Die günstigste. Die wäre dann bestimmt nur mit Käse. Aber hier auch wieder: Die Menschen ignorierten mich einfach, da ich ja kein Spanisch spreche. Ich war total perplex. Sowas ist mir noch nie passiert. Als schließlich keiner mehr vor dem Laden stand, konnte die Verkäuferin nicht anders, als meine Bestellung aufzunehmen. Die Pizza schmeckte wie ein wabbeliger Karton! Aber egal, Hauptsache etwas im Bauch. Ich hoffte nur, dass sich diese kulinarische Erfahrung nicht über die ganze Insel fortsetzen würde und ich einfach nur am falschen Laden war. Sagen wir mal so, ich hatte mich da ziemlich getäuscht. 

Pizza oder was?

Am nächsten Morgen hatte ich keine Wahl, als den Lonely Planet zur Hand zu nehmen. Ohne Internet ist alles sehr sehr viel komplizierter. Wie haben das die Leute früher bloß gemacht? Man kann sich nicht mal ein YouTube-Video mit den Top-Sehenswürdigkeiten von Havana anschauen. Zum Glück gab es im Reiseführer ein Kapitel mit dem Titel „Internet“. Genau das brauchte ich. Dort hieß es, das man sich in einem Etecsa store, einem staatlichen Mobilfunkunternehmen, eine WLAN-Karte kaufen kann. Damit hätte man die Möglichkeit, an verschiedenen Orten der Stadt für 1 € die Stunde ins Internet zu gehen. Also suchte ich auf meiner Offline-Karte so einen Store heraus und lief mit neuer Hoffnung los. Vor diesem Laden war wieder eine Schlange, wie vor fast jedem Geschäft in Havana. Aber diesmal zum Glück: Als ich mich angestellt hatte, hat mich eine junge Türkin angesprochen ob ich auch versuche eine SIM-Karte zu kaufen. Eine SIM-Karte! Was eine einfache Möglichkeit! Darüber hatte ich noch gar nicht nachgedacht.

Hemingway und Mojito

Nachdem wir unsere SIM-Karten erhalten hatten und allen zu Hause geschrieben hatten, haben wir beschlossen, unsere wiedergewonnene Verbindung zur Welt zu feiern. Also sind Alisa, so heißt die junge Türkin mit der genialen SIM-Karten-Idee, und ich ins „LA BODEGUITA DEL MEDIO“ gegangen. In diesem Laden wurde einst Mojito, der bekannteste Cocktail von Kuba, erfunden und es gibt live Musik. Sogar Ernest Hemingway sagte mal, dass man dort den besten Mojito der Stadt trinken kann. Dies mussten wir natürlich probieren. Der erste Mojito war mir noch ein bisschen zu stark, aber spätestens nach dem 2. hätte ich Hemingway recht gegeben: Der Mojito ist dort echt unglaublich.

LA BODEGUITA DEL MEDIO, ein Muss bei einem Besuch in Havana
Hemingway trank den Mojito und den Daiquiri wohl aber ohne Zucker
Live Musik gab es natürlich auch

Alisa und ich haben uns so gut verstanden, dass wir dem Mojito ein gemeinsames Abendessen angeschlossen haben. Und aus diesem wurden drei herrliche gemeinsame Tage in Havanna und eine wundervolle Rundreise über die Insel…

Häuserpracht und Dajquiri

Wir haben die Oldtimer vor dem Kapitol bestaunt.

Hatte etwas von einer Zeitreise…
Farblich sortierte Parkplätze

Ich habe jede Menge Fotos von bunten Häusern gemacht. Obwohl, ich muss gestehen, dass die Fotos erst richtig gut aussehen, wenn man den Kontrast in der Fotobearbeitung hochdreht. Man sieht der Stadt sehr an, dass die Wirtschaft nicht gerade boomt und der letzte Farbanstrich bei den meisten Häusern schon sehr lange her ist. Und trotzdem ist es richtig schön!

Wir waren an der Promenade spazieren

Achtung, dabei kann man schnell geduscht werden!

Und noch einmal Hemingway: diesmal im El Florida. Hier gab es seiner Meinung nach den besten Daiquiri. Ein Test war Ehrensache und ich muss sagen: Mit Cocktails kannte er sich gut aus.

Alisa, ich und Hemingway

 

Kunst
Musik

Ein Mojito hat viele Gesichter: