Schön und teuer

Virgin Islands waren so nicht geplant. Aber ich dachte, wenn ich schon fast da bin, muss ich doch mal vorbeischauen. Also buchte ich ein Flugticket nach St. Thomas.

Virgin Islands waren so nicht geplant. Aber ich dachte, wenn ich schon fast da bin, muss ich doch mal vorbeischauen. Also buchte ich ein Flugticket nach St. Thomas.

Ja, eigentlich braucht man ein Auto, um durch Puerto Rico zu reisen. Also mieteten wir uns einen Van für den Rest unseres Puerto Rico-Rundtrips.

Van hört sich ziemlich luxuriös an. Was wir gemietet hatten, aber war ein selbst ausgebautes altes Auto. Die Türen konnte man nur nach dem Zufallsprinzip verschließen und beim Regen wurden wir auch im Auto nass. Aber es hatte auch Vorteile: Man konnte nicht mehr viel kaputt machen. Also fuhren wir los. Das erste Mal mit einem Auto auf den Straßen von Puerto Rico. Doch das war einfacher als gedacht. Alle fahren sehr langsam und lassen riesige Abstände. Und es gibt nur 3 Verkehrszeichen: Stopp-Schild, Vorfahrt und „Achtung scharfe Kurven“. Ja es gibt kein Vorfahrsstraßenschild! Das hat mich total verwirrt. Man muss einfach hoffen, dass der andere ein Schild stehen hat und dann fährt man. Auch die Ampelschaltungen sind idiotensicher.
So fuhren wir dann an den ersten wunderschönen Strand um zu essen und auch gleich zu übernachten. Am nächsten Morgen wachten wir auf und überall um uns herum Surfer, die aufs Meer blickten und über Wellen debattierten. Eine komplett andere Welt.


Blick aus dem Schlafzimmer
In Isabela fanden wir dann diesen Strand, der so schön war, dass wir gleich die nächsten beiden Nächte hier blieben. Es war magisch!


Strand

Van


Sonnenuntergang

Filmkulisse



Cocktails in der Hängematte





Stadtrundgänge


Höhlentrips
Und: Wir waren morgens die ersten am Strand und die ersten im Wasser!
In der letzten Nacht fuhr die Polizei die ganze Zeit mit Blaulicht bei uns vorbei. Plötzlich (um 2.30) stieg ein Polizist aus und klopfte an unseren Van. Er nuschelte etwas undeutlich auf Spanisch. Ich sagte, dass ich kein Spanisch spreche. Er drehte daraufhin um und fuhr weg. Keine Ahnung, was er von uns wollte. Es war hoffentlich nichts Wichtiges!
Und weil es so schön war, gibt es noch mal ein Video:

Der weg nach Ponce war mal wieder ein echtes Abenteuer. Zuerst nahmen wir die Fähre von Vieques zurück auf die Hauptinsel. Soweit so gut. Kurz danach begann das Chaos. Wir bekamen mal wieder kein UBER und auch kein Taxi wollte uns mitnehmen. Oder nur zu echt unrealistischen Preisen. Ein Taxi wollte mindestens 300 Dollar!!! Uber wäre 80 Dollar gewesen. Wir fragten uns weiter durch und stellten uns sogar mit einem Schild an den Straßenrand. Aber Puerto Rico ist nicht die Dominikanische Republik und es brachte nichts.

Alle fragten uns, was wir denn dort in Ponce denn wollten, es wäre ja eine so hässliche Ecke der Insel. Also das stimmt auf kein Fall! Kurz bevor wir Wurzeln schlugen, bot uns ein Mitarbeiter von der Fährestation an, uns zu fahren, weil wir ihm so leid taten. Er müsste eh in die Richtung. Als wir bei ihm eingestiegen sind, wollte er plötzlich 150 Doller und er wurde merkwürdig. Wir bekamen beide ein komisches Bauchgefühl und bestanden darauf, dass er uns bei dem nächstem Supermarkt absetzt. Da standen wir nun. Zwei Mädchen, zwei große Rucksäcke und ein Schild, dass wir nach Ponce wollen. Irgendwann sprach uns eine puertoricanische Mutter an. Ob wir den schon eine Möglichkeit gefunden hätten nach Ponce zu kommen und was sonst unser Plan B ist. Plan B hatten wir nicht. Eine Mitfahrgelegenheit auch nicht. Sie nahm uns also an die Hand und fing an sich durchzufragen und telefonierte alle Leute, die sie kannte ab. Irgendwann sprach uns dann noch eine andere Mutter an, die gerade mit ihrer Tochter einkaufen wollte. Sie versuchten uns auch eine Mitfahrmöglichkeit zu organisieren. Als auch das nichts wurde, meinten sie einfach: Steigt ein, wir machen jetzt einen Roadtrip! Und sie fuhren uns echt fast drei Stunden durchs Land. Sie zeigten uns alles Mögliche am Wegesrand und erzählen uns viel über das Leben auf Puerto Rico. Die Fahrt war echt beeindruckend. Wir starteten im grünen Ceiba, fuhren an einem großen Wasserfall vorbei. Dann wurden die Berge kleiner. Wir sahen viele Baumschulen. Und fuhren doch ein Wüste.




Mir wurde auch das erste mal bewusst, welche extremen Auswirkungen der Hurricane vor ein paar Jahren hier hatte. Alle in ihrem Dorf hatten 6 Wochen lang kein Strom und kein Wasser. Verrückt. Und sie leben echt nicht in einem armen Teil von Puerto Rico, eher im Gegenteil. Der Roadtrip war grandios: Die beiden freuten sich richtig, uns ihr Land zu zeigen. Und wir freuten uns über diese nette und wirklich hilfreiche Bekanntschaft. Als der Vater anrief, meinte sie nur, dass sie nicht erzählen kann, dass sie uns nach Ponce fährt, weil sie sonst alle für verrückt halten. Es war einfach eine lustige Fahrt. Sie bestanden auch darauf, dass wir noch nicht mal die Kosten für den Sprit übernehmen. Die Mutter sagte nur, dass sie hofft, dass wenn ihre Tochter herumreist, Leute auch so auf ihre Tochter aufpassen und dass es in ihren Augen selbstverständlich ist, dass man sowas tut. So selbstverständlich ist das nicht! Aber für uns ein wundervoller Zufall. Zum Glück gaben sie uns noch ihre Adresse und wir werden auf jeden Fall ein Paket aus Hamburg schicken. Und wer weiß, vielleicht kommt die Tochter ja eines Tages in den kalten Norden…

Ponce stellte sich als ein wirklich schönes kleines Städtchen heraus. Alles war total schön renoviert, da erst vor ein paar Jahren der Teil der Insel von einem schweren Erdbeben betroffen war und danach alles wieder aufgebaut wurde. Zusätzlich gab esabends vor der alten Feuerwehrwache, das Wahrzeichen von Ponce, ein Konzert.


Mexikanisch-kreolische Küche



Strandfunde










Ponce ist toll!





Und ein toller Ort für Fotos..




Hat irgendeiner gesagt, Ponce sei hässlich?????

Vieques ist eine der kleineren Inseln von Puerto Rico. Dadurch, dass es auf der Insel kein Krankenhaus gibt, war und ist die Angst vor Corona viel größer. So wurde die Insel erst vor ein paar Wochen überhaupt für Touristen geöffnet.
Man erreicht sie nur mit der Fähre oder mit dem Flugzeug. Natürlich nahmen wir die Fähre. Aber auch das war mal wieder ein Abenteuer: Online kann man nur 20 % der Karten kaufen. Und die waren natürlich schon längst weg, als wir uns mit der Planung unseres Trips beschäftigten. Also fuhren wir zur Fährstation. Online stand, dass noch 30 Karten zur Verfügung stünden. Naja, Angaben sind hier online immer eher geraten. Es waren natürlich keine mehr da. Uns wurde gesagt, dass wir jetzt 8 Stunden auf die nächste Fähre warten sollten. Doch wie durch ein Wunder sind dann eine Stunde später doch noch zwei Karten für die nächste Fähre frei geworden. Es scheint doch alles sehr willkürlich hier. Ob man Tickets bekommt oder nicht, ist vermutlich abhängig von der Laune der Mitarbeiter am Schalter. Und abhängig davon, wie sehr man den Mitarbeitern Leid tut. Und da haben wir zwei junge Mädchen mit sehr großen Rucksäcken natürlich einen ordentlichen Vorteil 🙂

Und es hat sich gelohnt! Vieques war unglaublich schön. Einfach so, wie man sich in einem Traum die Karibik vorstellt. Wir sprangen erst mal ins Wasser und genossen unseren ersten wunderschönen Sonnenuntergang.



Das Wasser hat Badewannen-Temperatur
Besonders bekannt ist der Black Sand Beach. Also nichts wie hin: „20 Minuten laufen“, wurde gesagt. Naja die Strecke ist wahrscheinlich noch nie jemand vor uns zu Fuß gelaufen. Wir liefen mindestens eine Stunde. Aber was tut man nicht alles für einen tollen Strand. Allerdings so wirklich umgehauen hat der Strand uns nicht. Er erinnerte eher an die Teile des Elbstrandes, an denen häufig Grillkohle ´vergessen´ wird. Bloß mit mehr Palmen.

Und was einem hier auch sofort auffällt: Es gibt hier nicht nur Hunde, Katzen und Hühner sondern auch streunende Pferde! Total ulkig! Uns hat später ein Einheimischer erzählt, dass die Pferde hier früher ständig ausgebüchst sind. Irgendwann hat man beschlossen, sie nicht mehr die ganze Zeit einzusperren. Und man muss ja auch bedenken, dass die Insel klein ist und man sein Pferd dadurch auf jeden Fall wieder findet. Heutzutage, sammelt man, wenn man ein Pferd braucht, eines auf der Straße ein. Es dürfen allerdings nur männliche Pferde eingesammelt werden, da Fohlen zu sehr an ihren Müttern hängen. Und die Pferde müssen nach spätestens vier Tagen wieder in die Freiheit entlassen werden. Denn zu viel arbeiten sollen sie nicht. Was ein cooles Konzept! Vor allem beeindruckt, dass es wirklich so funktioniert! Hier ist es also völlig normal, dass plötzlich ein Pferd am Strand neben einem steht, oder eins im Restaurant vorbeischaut.





Die halbe Insel besteht aus einem Nationalpark. Und den schauten wir uns direkt am nächsten Tag an. Wir buchten eine Kanu-Tour. Wir hatten Glück, denn wir waren die einzigen. Unser Guide, war ein riesiger Fan des Nationalparks. Er stammte von der Hauptinsel, hatte sich aber nach einem Urlaub auf Vieques dazu entscheiden, dort zu blieben. Wir setzten uns in durchsichtige Kanus und paddelten los. Mitten durch die Mangrovenwälder.
Bei größeren Hurricanes wird es den Menschen gestattet, ihre Boote in diese Wälder zu bringen, um diese zu schützen. Leider behaupten viele, dass die Boote zerstört wurden und kassieren die Versicherungsgelder. Daher stehen überall im Naturschutzgebiet alte, verlassene Boote rum. Unser Guide erzählte uns, dass sie diese Boote nehmen, Löcher in den Boden bohren und sie dann vor der Küste versenken, um neue Riffe zu erschaffen. Wir paddelten zu einem wunderschönen Strand, welchen man nur mit einem Kanu erreichen kann. Es war einfach atemberaubend! So schön, dass ich glatt vergaß Fotos, zu machen. Wir schwammen ewig in dem Badewannenwasser und am liebsten wäre ich nie wieder weiter gefahren!








Mangrovenbäume saugen Salzwasser auf, filtern dieses und stecken das ganze Salz in einzelne ausgewählte Blätter. Sind diese dann zu schwer, fallen sie einfach ab. Wie schlau von dem Baum! Zusätzlich geben die Bäume super viele Mineralien in das Wasser ab. So viele, dass das Wasser trüb ist. Ihr Wurzelwerk bietet einen wichtigen Schutz für junge Fische, so dass sie dort im nährstoffreichen Wasser in Sicherheit groß werden können.

Zum Abschluss unserer Tour pflanzten wir noch unseren eigenen Mangrovenbaum. Dies macht unser Guide mit allen Touristen, mit denen er in die Mangroven fährt. So versucht er, die vom Hurricane zerstörten Teile des Nationalparks wieder aufzubauen. Er zeigte uns auch verschiedene alte Mangrovenbäume.








Der Lebenszirkel eines Mangrovenbaums
Um die Insel richtig zu erkunden, mieteten wir uns einen Roller. Das war zumindest das, was wir dachten. Wir schauten uns also ein YouTube Video an, wie man einen Roller so fährt, denn keiner von uns hat je auf einem motorisierten Zweirad gesessen. So schwer schien das nicht und wir gingen selbstbewusst zu dem Rollerverleih hin, wedelten mit unserem deutschen Führerschein und behaupteten, dass wir ganz viele Rollererfahrung hätten. Isabel durfte nicht fahren, da man mindestens 21 Jahre als sein muss. Als der Verleiher dann mit einem Motorrad (mit bis zu 120kmh) um die Ecke kam, sagten wir ihr einfach nicht, dass wir sowas mit unserem Führerschein nicht fahren dürfen.

Ich rollte unauffällig das Motorrad hinter den Anhänger, so dass die Mitarbeiter meine Fahrversuche nicht sahen, setzte mich darauf, erinnerte mich daran, wie sie es im YouTube Video gemacht haben, und fuhr los. Zu meiner großen Überraschung funktionierte es. Eigentlich war es viel viel einfacher, als ich es mir vorgestellt habe. Und man muss dazu auch sagen, dass es auf der ganzen Insel nur eine Handvoll Ampeln gibt, eine Höchstgeschwindigkeit von 30 mph gilt und die meisten Leute mit Golf-Cars durch die Gegend zockeln. Man muss halt nur aufpassen, dass man kein Pferd umfährt oder einem ein Huhn in den Weg fliegt. Obwohl gerade dieses sich das ein oder andere Mal als ziemlich trickreich herausstellte und mit einigen Vollbremsungen verbunden war. Wir fuhren also den ganzen Tag kreuz und quer durch die Insel. Wir waren noch mal im Nationalpark, fuhren zum Leuchtturm und sahen das Schloss von Viques.









Und wir aßen eine unglaublich gutes Mofongo!!! Mofongo ist hier eins der Nationalgerichte. Es ist ein Brei aus Kartoffel, Jams-Wurzel und Kochbanane. Mega-lecker. Wie ein super leckerer Kartoffelbrei. Es gibt auch Trifongo, dann ist Käse mit eingearbeitet. Falls jemand im Casa Nativo in Vieques vorbei kommt, unbedingt probieren!!! https://www.tripadvisor.com/Restaurant_Review-g147326-d20292651-Reviews-Casa_Nativo-Isla_de_Vieques_Puerto_Rico.html

Zum Dessert empfehle ich Cocosnuss-Flan. Eine typische Nachspeise. Auch super lecker. Der Koch gab uns das Rezept, nachdem wir ihm eine Tripadviser Bewertung dagelassen haben. Allerdings haben wir versprochen, das Rezept nicht zu veröffentlichen. Aber wir werden sicher ab und zu unsere Familie damit beglücken. Es war einfach super Lecker! https://www.tripadvisor.com/Restaurant_Review-g147326-d1135226-Reviews-Bananas-Isla_de_Vieques_Puerto_Rico.html

Coconut-Flan: ähnlich wie Crème brulée nur fruchtig nach Kokosnuss.
Und dann das mexikanische Essen!

Und die Pommes aus Kochbanane. Dazu einen Dipp aus Mayo, Tomaten und Essig. Lecker!

Hier das andere Nationalgericht: Reis mit Bohnen und Salat mit Fisch:


Und dann mussten wir auch (leider) schon wieder weiter.


Und weil alles so schön war, habe glatt noch ein kleines Video zusammen geschnitten habe.
Nationalpark mit Wasserrutsche

Auf Puerto Rico gibt es einen riesigen Nationalpark. Den mussten wir natürlich auskundschaften. War jedoch einfacher gedacht, als getan. Als erstes buchten wir eine kleine Unterkunft direkt am Nationalpark. Sie war wirklich schön.
Was wir nicht bedacht hatten: Es ist sehr sehr amerikanisch hier, einfach alles! Auch die Angewohnheit alles mit dem Auto zu erledigen und wirklich niemals zu Fuß zu gehen. Am ersten Tag liefen wir noch einfach los. Zuerst mal in die Richtung des nächsten Supermarktes. Alle starrten uns komisch an. Sogar die Hunde bellten uns hinterher. Ja, Fußgänger sind hier etwas sehr Seltsames. So seltsam, dass ein Hund beschloss, uns merkwürdigen Wesen zu folgen. Also liefen wir zu Dritt weiter. Immer in Richtung Supermarkt, welcher dann leider nicht mehr existierte.










Wie auch in Amerika, geht man hier einfach nicht zu Fuß. Wir wurden sogar von einem Puerto Ricaner angesprochen, ob er uns denn zum nächsten Supermarkt fahren könne. Zum Glück, wie es sich dann herausstellte. Denn hier fuhr außer den privaten Autos nämlich gar nichts. Kein Taxi. Kein Uber. Und wir hatten noch nicht einmal mehr etwas zu trinken. Also blieb uns nichts anderes übrig, als zu trampen. Zum Glück war der freundliche Puertoricaner ein alter Mann (wir waren ihm körperlich eindeutig überlegen), der sich total freute, Gesellschaft zu haben. Er erzählte uns sein ganzes Leben und auf dem Rückweg zeigte er uns, wo alle seine Verwandten wohnen. Ich glaube, die Geschichte, die sich die Verwandten in den nächsten Jahre anhören müssen, wird sein, wie er zwei jungen Deutsche vor der völligen Erschöpfung durch zu Fuß gehen gerettet und zum Supermarkt gefahren hat.
Unsere Unterkunft war zauberhaft. Ein kleines Häuschen mit Küche. Wir nutzten sie reichlich, machten super leckere Tacos und aßen köstliche Wassermelone und Ananas. Wir genossen die Zeit auf der Terrasse, umgeben von Geckos und Fröschen, die einen fortdauernden Wettbewerb im Lautquaken zu veranstalten schienen. Wer nicht groß ist, muss eben laut sein. So ist das.







Das Wandern durch den Regenwald funktioniert nur, wenn man eine Möglichkeit hat, zu den Punkten zu kommen, ab denen die Wanderungen anfangen. Wir hatten diese nicht. Also buchten wir eine Tour auf Airbnb.
Wie alles hier auf der Insel, begann die Tour eigentlich in San Juan. Fast alle Touristen bleiben die ganze Zeit in der Stadt und unternehmen dann Touren von dort aus. Viel zu wenig Abenteuer für uns! Und außerdem hätten wir so unser Häuschen am Regenwald verpasst. Also schrieben wir dem Tourguide, dass wir mit dem Taxi zum Sammelpunkt in den Nationalpark kommen. Nur leider, dieser Plan funktionierte nicht: Wir riefen 15 Taxen an. Der erste wollte uns abholen. Leider versuchten wir – ganz karibisch – den Preis zu verhandeln. Schlechte Idee. Er legte einfach auf. Alle anderen Taxen waren „busy“, nahmen uns nicht ernst, weil unser Spanisch eher rudimentär ist (das heißt, Isabels. Schulspanisch, immerhin. Meines existiert leider gar nicht) und legten während des Telefonates einfach auf. Oder sie sagten, dass sie gleich da seien und tauchten dann nicht auf. Also mussten wir es am nächsten Tag noch einmal probieren. Und da klappte es plötzlich…
Am Wander-Treffpunkt angekommen, fing es an wie aus Eimern zu schütten. Ein Mann bot uns an, dass wir uns unter seinem Vordach unterstellen können. Er wollte im nachhinein 2 Dollar dafür. Er kassierte auch bei jedem, der nebenan parkte, 5 Dollar und für das Runtergehen in den Nationalpark wollte er pro Person 1 Dollar. Obwohl es gar nicht sein Grundstück war. Alle Touristen bezahlten ganz brav. Außer uns. Wir weigerten uns! So macht man hier anscheinend Geschäfte, man versucht die Touristen einfach zu verarschen wo es geht. Nicht mit uns!

Die natürlichen Wasserrutschen waren echt beeindruckend. Über Jahrhunderte spiegelglatt geschliffene Steine, über die man in einem Affenzahn ins Tal gleitet! Sieht heftig aus, macht aber einen Riesenspaß und ist auch nur halb so schmerzhaft, wie es aussieht. Und: Zum Eingewöhnen gibt es Anfängerrutschen.
Die ganze Tour war sehr amerikanisch. Der Guide machte die ganze Zeit schlechte Witze und es gab reichlich Schokoriegel für alle. Aber es hat sich gelohnt. Es ist einfach atemberaubend durch den Regenwald zu rutschen. Etwas skuril war, dass Leute sich in einen kleinen Teich setzten, der Guide sie mit Chips bewarf und Fische diese dann aufaßen. Hä..? Das muss ein amerikanischer Insider gewesen sein…




Und es gab noch eine für komplett Furchtlose. Ja, auch die sind wir gerutscht.
Nach dem Rutschen ging fuhren zu einer Art Rastplatz direkt am Strand, mit vielen kleinen Buden. Es gab jeden erdenklichen Fisch frittiert und Pizza. Als wir unser Bier dann auf Spanisch bestellten, waren die Amerikaner hinter uns total begeistert: “That is so Europe!“ Ihr sprecht Deutsch, Englisch und könnt auf Spanisch Bier bestellen! Okay, so riesig war die Leistung dann vielleicht nicht, aber alle Locals freuten sich immer sehr, wenn wir versuchten, auf Spanisch zu bestellen. Die Amerikaner probieren das anscheinend nie.




Aus el Yunque mussten wir schließlich auch wieder raustrampen. Es gab einfach keine andere Möglichkeit. Und wir hatten noch viel vor: Vor Puerto Rico liegen kleine pudersandige Inseln, die man auf gar keinen Fall verpassen darf. Also los…!

Letztes Jahr war eine Freundin von mir hier und sie berichtete so begeistert von der Insel, dass ich dachte, das muss ich mir selbst anschauen! Dazu kam, dass Isabel, die Freundin meines Bruders, mich in der Karibik besuchen kommen wollte. Also buchte sie ein Ticket und wir trafen uns in Puerto Rico…
Partystadt und Piratenfestung

Bei der Einfahrt in den Hafen wird einem die Schönheit der Insel gleich klar. Umgeben von alten Festungen und mit Blick auf die historische Altstadt legen wir an. Man fühlt sich ein bisschen wie die Piraten, die auch übers Meer gekommen sind (Nur, dass man hier sehr sehr willkommen ist). Und ja, Piraten waren hier wirklich ein großes Ding und nicht nur Grundlage für viele Geschichten. In der Altstadt gibt es eine riesige Festung, die früher zur Abwehr der Piraten gedient hat. Heute einfach wunderschön. Nicht umsonst wurden hier viele Szenen aus dem 1. Teil von Fluch der Karibik gedreht.
Hier erwartete mich nicht nur ein neues karibisches Abenteuer, sondern ja auch eine supernette Reisebegleitung aus der Heimat: Isabel. Auch Sie hat eben Zeit – leider nur zwei Wochen – und die wollen wir nutzen, um die amerikanischste der Karibikinseln kennenzulernen. Ja, Puerto Rico gehört tatsächlich zu den Vereinigten Staaten. Das wird spannend!
Aber erstmal an den Strand. Wunderschön. Nur die Wellen sind extrem. Rund um San Juan gibt es sehr gefährliche Riss-Strömungen. Wenn man von so einer Strömung erwischt wird, wird man nur noch raus aufs Meer gezogen. Dagegen kommt sogar der beste Schwimmer nicht an. Daher sind überall Rettungsschwimmer an der Stränden. Und es kreisen regelmäßig Helikopter an der Küste entlang. So fühlt man sich dann doch sicher. Aber riskieren wollte ich nichts. Daher gilt: nur bis zum Bauchnabel ins Wasser. Sodass man immer noch sicher stehen kann. Und auch die Wellen an sich sind nicht zu unterschätzen. Man wird wirklich ganz schön durch gewirbelt.





Und dann kam Isabel an. Ich hab mich total gefreut, wieder jemanden von zu Hause zu sehen! Wir gingen auch direkt los, die Altstadt zu erkunden. Dabei fiel mir sofort der erste große Unterschied zu den anderen Inseln auf: Hier wird der Mojito mit Bacardi gemischt und nicht mit Havana Club! Und zwar, weil in die USA nichts aus Kuba eingeführt werden darf.
San Juan der Party Ort! Okay, wir waren auch zum Spring-Break da. Aber trotzdem.





Wir haben uns natürlich auch noch die Festung, welche ich ja schon von See aus gesehen habe, angeschaut.












Ja, hier ist man echt in Amerika! Spätestens in den Läden wird einem das bewusst. Oder auch bei der Anzahl der ganzen Fast-Food-Ketten. Und bei manchen interessanten Läden, an denen man so vorbeikommt. Zum Beispiel ein Spezial-Geschäft für Hunde-Bekleidung! Leider gab es nichts in Eddie`s Größe. Auch wenn die Leute das hier nicht gerne hören und sehr stolz auf ihr kleines Land sind. Merkwürdigerweise sprechen hier die wenigsten Leute richtig gut Englisch. Eigentlich nur die, die mit Touristen zu tun haben. Obwohl sie ja alle einen amerikanischen Pass besitzen.


Zwischen der Dominikanischen Republik und Puerto Rico

Es ist ein absolutes Muss! Um ein Gefühl für die Distanzen zwischen den Inseln zu bekommen, muss man eine Fähre nehmen. Die Strecke zwischen der Dominikanischen Republik und Puerto Rico ist die längste zwischen zwei karibischen Inseln. Vor allem wird sie viel zu den Feiertagen genutzt, wenn Verwandte auf den anderen Inseln besucht werden. Die Fähre war ein altes Modell aus Griechenland. Cabric Ferries ist ein Tochterunternehmen von Direct Ferries, der Reederei in Europa. Wahrscheinlich kam diese Fähre dort einfach nicht mehr durch den TÜV. Naja dann reicht es ja noch für die Karibik.


Leider war dies die einzige Fährstrecke, die bedient wurde, als ich da war. Alle anderen waren, wie so vieles Andere andere, wegen den fehlenden Touristen eingestellt. Aber das hohle ich irgendwann mal nach!
Die Fähre braucht 13 Stunde. Der Flug 1 Stunde. Die Fähre kostet 160€. Der Flug 90€. Trotzdem hat es sich gelohnt!
Am Tag vorher bin ich schon mal zum Fährschalter. Nach meinen abenteuerlichen Erfahrungen auf Kuba, wollte ich auf Nummer sicher gehen und alles dabei haben. Es sprach natürlich auch hier keiner Englisch! Als ich fragte (mit der Hilfe von Google Übersetzter) welche Dokumente ich denn bräuchte, wurde ich nur nach meinem Ausweis gefragt. Sie checkten mein Einreisedatum und meinten, ich dürfe nicht nach Puerto Rico. Ich war nur 13 Tage in der Dominikanischen Republik. Mein Flieger war verspätet gelandet, so kam ich 20 Minuten nach Mitternacht an. Und genau die 20 Minuten fehlten mir jetzt! Ich war perplex. Mal wieder eine Regel, die nirgendwo steht. Die ganzen verbindlichen Regeln und Vorschriften in Europa hat sind nervig. Aber sie haben super viele Vorteile. Ich bekam Panik! Was sollte ich jetzt machen? Alles ist geplant, die Hotels für die nächsten Nächte gebucht: “Papa!!!!“ (Ich gestehe: Immer, wenn ich bei sowas nicht weiter weiß, rufe ich Papa an. Aber er war genau so perplex wie ich. Es ist ein Glücksspiel, ob man hier die richtigen Informationen bekommt oder nicht. Also hat Papa mit Direct Ferries, die europäische Buchungsplattform, auf der ich das Ticket gekauft hatte, Kontakt aufgenommen. Im anliegenden Reisebüro gaben sie mir eine Nummer, bei der ich nachfragen konnte. Keiner ging dran. War ja klar. Also dachte ich, dass muss schon werden. Das kann ja nicht sein. Und ging ins Bett.
Zum Glück hatte sich am Morgen der europäische Teil der Reederei bei mir gemeldet. Die Mitarbeiter hier vor Ort waren einfach falsch informiert gewesen. Was ein Stress. Für nix!. Nicht das erste mal das mir sowas hier passiert. Schon beim Transit auf den Cayman Island wollten sie mir den Zutritt zum Flugzeug verwehren, da ich keinen PCR-Test hatte. Den brauchte ich lt. Info auch nicht. Ich bestand darauf, den Manager zu sprechen. Und: Ich brauchte tatsächlich keinen Test! Trotzdem vermeidbarer Stress.
Das Fährterminal war mal wider sehr sehr karibisch. Für jede Kontrolle unterschiedliche Schlangen, irgendwo in einer großen Halle. Mein Ausweis wurde 6 Mal kontrolliert. Es wurde gesagt, das der Check in 3 stunden vor Abfahrt schließt. Ich war also 5 Stunden vor Abfahrt da. Sicher ist sicher. Und man weiß ja nie, welche Dokumente doch noch verlangt werden. Die einzig Englisch sprechende Mitarbeiterin hat mich sofort in Empfang genommen und ist von einer Schlange zur nächsten mit gegangen. Was ein Luxus. Aber ich war einfach der einzige Tourist bei dieser Überfahrt. Ich hatte mich gleich gewundert, dass es so leer war. Aber ich war ja auch früh da. Doch es kamen nicht noch wirklich viele Leute nach mir. Wir legten 2 Stunden früher ab. Schließlich waren mehr Mitarbeiter an Bord als Gäste. Der Tourismus ist hier echt gebeutelt durch Corona. Eine Konsequenz, die mir davor nie so bewusst war.
Die Fährfahrt war atemberaubend. Vom Auslaufen bei Sonnenuntergang in Santo Domingo (Dominikanische Republik), bis zum Einlaufen beim Sonnenaufgang in San Juan (Puerto Rico).


Zusätzlich war an Bord alles auch wieder sehr karibisch. Wasser kostete das gleiche wie Bier. Es gab Live-Musik. Es wurde getanzt. Es gab sogar eine spanische Zauberschow…






Transport innerhalb der Stadt
Der günstigste und sicherste Weg, um sich in der Stadt fortzubewegen, ist UBER. Funktioniert perfekt hier. Man braucht allerdings WLAN, um ein UBER zu rufen. Sonst kann man auch immer gut auf offizielle Motorradtaxen zurückgreifen. Die tragen alle orangene Warnwesten. Normale Taxen gibt es natürlich auch. Die sind aber relativ teuer.
Transport von Stadt zu Stadt
Hier kann man natürlich auch UBER nutzen, aber der einfachste Weg ist ein Bus. Caribe Tours sind mit Abstand die bekanntesten Busse hier: https://caribetours.com.do .
Die Busse haben mich echt überrascht: Sie sind sauber, günstig, haben WLAN und sind relativ schnell. Man muss aber unbedingt eine dicke Jacke mitnehmen. Im Bus ist es extrem kalt. Auf der Website kann man sich (mit Hilfe von Googleübersetzter) raussuchen, wann die Busse fahren. Tickets kann man nur direkt am Schalter kaufen. Funktioniert alles problemlos. Die lokalen Busse könnte man auch benutzen. Aber ohne Spanischkenntnisse ist das unmöglich.
Geld
Die Landeswährung ist Dominikanische Peso. Am einfachsten ist es, sich welche am Bankschalter abzuheben. Allerdings variieren die Wechselkurse da von 50-60 Peso pro Euro. Dazu kommt noch, dass man – abhängig von den Stadtteilen – nur bestimmte Mengen an Geld abheben kann. In problematischen Vierteln zum Beispiel nur 2000 Peso, etwa 40 Euro.
Zusätzlich wird überall Visa akzeptiert. Kostet aber teilweise bis zu 20 % Aufschlag.
Die einfachste Möglichkeit ist die Bezahlung bar mit US-Dollar. Diese werden überall liebend gerne genommen.
Internet
Das Internet ist sehr gut ausgebaut. Es gibt in fast jedem Restaurant gratis WLAN. Und dies funktioniert sogar meist richtig gut. Deswegen habe ich mir keine SIM-Karte gekauft.
Sprache
Es wird hier überall spanisch gesprochen. Allerdings trifft man immer mal wieder jemanden, der eine paar Wörter Englisch spricht. Trotzdem ist es eindeutig zu empfehlen, einen online Übersetzer mit dabei zu haben.

Platz der Unabhängigkeit
Alle haben von Puerto Plata geschwärmt. Also musst ich es mir auch selber mal anschauen. Der Weg dahin war mal wieder abenteuerlich. Und ich fühlte mich wieder dumm, dass ich kein Spanisch spreche. Aber das werde ich ändern, sobald ich ein bisschen Zeit habe! Zum Glück habe ich in Samana Deutsche kennengelernt, die auch mit dem Bus nach Puerto Plata fahren wollten. Kurzerhand schloss ich mich denen an. Wie abenteuerlich schon der Weg nach Samana war, steht im Beitrag von El Valle. Also stiegen wie in einen regionalen Bus nach Puerto Plata. Eng. Heiß. kein Sitzplatz. Sehr authentisch. Zusätzlich brauchte der Bus über sechs Stunden. Wahrscheinlich auch authentisch. Aber die Sicht war wie immer toll! Zumindest das. Alle anderen Deutschen stiegen schon kurz vor Puerto Plata aus. Also war ich alleine. Und es sprach mal wieder keiner Englisch. Also eine neue Challenge! Zusätzlich hielt der Bus an jeder Ecke und ich hatte keine Ahnung, wo ich raus musste und es war schon draußen auch schon dunkel. Perfekte Voraussetzungen! Also sprach ich einfach jeden in dem Bus an, bis ich einen fand, der zumindest ein bisschen Englisch sprach. Er wusste aber nicht, wie er mir mit Händen und Füßen erklären könnte, wo ich am besten aussteige. Kurzer Hand nahm einer meine Tasche und stieg mit mir aus. Organisierte mir ein Taxi und verhandelte sogar noch einen guten Preis. Und ich war wieder einmal überrascht von der freundlichen Hilfsbereitschaft der Einheimischen. Sowas ist echt nicht selbstverständlich! Und ich kam doch mal wieder sicher in meinem Airbnb an. Irgendwie klappt das doch immer.
Aber jetzt zu Puerto Plata. Die Stadt ist wunderschön! Es gibt viele schöne alte Häuser zu bestaunen. Grafitis an den Häusern. Eine wunderschöne Sicht über das Meer. Straßenkünstler. Schöne Straßen und – und da hatte ich wirklich Glück: Karneval im März!













Es war mal wieder einfach Glück. Der Karneval wurde wegen des schlechten Wetters der Wochen davor verschoben. So kam ich in den Genuss meines ersten karibischen Karneval. Es war einfach irre. Ein bisschen wie die Schwäbisch-Alemannische Fasnet mit ihren Umzügen im Schwarzwald. Bloß bunter. Und mehr Twerken. Twerken ist allgemein etwas, was hier eine sehr große Bedeutung hat! Aber man sieht eindeutig, dass die Kultur hier sehr beeinflusst ist durch die frühere Kolonialmächte, durch die Kultur, die die Sklaven aus Afrika mit gebracht haben und die Kultur die sich schon immer hier war. Ein Mischmasch, dessen Zauber man sich nicht entziehen kann.








