Natur: Lichtblicke

Auf unserem Weg in den Süden sind wir vom Highway No.1 auf die Nummer zwei gewechselt. So kommen wir an einem Wildlifecenter vorbei, das sich um native Birds kümmert. Eine Woche später hätten wir hier Richie McCaw treffen können. Das ist DIE neuseeländische Rugbylegende überhaupt. Ella ist kurz davor, vor der Vogelstation zu campen. Lässt es dann aber doch.

Puhaka National Wildlife Reserve

Auch ohne Richie McCaw ist Puhaka einen Besuch wert. Ähnlich unserer Nabu-Stationen kann man hier erfahren, wie Neuseeland noch vor 150 Jahren ausgesehen hat. Es gibt Tuis, Keas, Kakas und noch einige Vögel mehr zu sehen, die wir nicht kennen. Und es gibt ein Kiwi-Haus.

Kakas. Mehr als 600 von ihnen konnte das Wildlive Reserve schon wieder auswildern. Manche kommen zur Fütterungszeit nachmittags um 15:00 Uhr wieder. Man kennt jeden einzelnen Vogel. Einige sind Monate lang weg und kommen dann irgendwann wieder, erzählt man uns. Sie können bis zu 60 Jahre alt werden.
Einmal einen echten Kiwi sehen!

Aale!

Was die Kiwis nicht fressen, bekommen nachmittags um 13:30 die Aale. Bis zu zwei Meter lang und 40 kg schwer werden sie hier in Neuseeland.

Was wir über den Aal erfahren haben:

Sie atmen über die Haut und können deshalb nächtelang auch über Land wandern. Das tun sie in der Zeit, in der sie im Süßwasser leben. Sie fressen sich dort fett, stoppen dann die Nahrungsaufnahme und schwimmen flussabwärts bis ins Meer. Dort schwimmen bis nach Tonga, das sind 4 – 5.000 km, um dort zu laichen. Nach dem Laichen sterben sie. Die geschlüpften Aale treiben mit der Meeresströmung wieder nach Neuseeland zurück, um in den Flüssen und Bächen im Süßwasser heranzuwachsen. Bis auch sie sich nach 25 – 40 Jahren wieder auf die Reise machen. Ist das nicht faszinierend? Neuseeländische Aale können über 100 Jahre alt werden.

Unsere heimischen Aale sind nicht so groß und werden, glaube ich, auch nicht so alt, sind aber genau so faszinierend. Auch sie kehren, wenn sie ausgewachsen sind, an den Ort ihres Schlüpfens zurück. Sie schwimmen gegen den Golfstrom bis in die Saragossasee, östlich von Florida. Das sind rund 5.000 km, ohne noch einmal Nahrung aufzunehmen.

Die Idee des Centers ist, die heimische Tierwelt zu bewahren und möglichst viele Vögel wieder in die Natur zu entlassen. Denn es gibt Bestrebungen, größere Fläche zu renaturieren und Lebensraum zu schaffen. Also: Nicht verpassen!

https://pukaha.org.nz/

Otari-Wiltons Bush, Wellington

Ein Siedler names Wilton verzichtete einst darauf, seine Ländereien komplett abzuholzen und bewahrte dadurch in einem kleinen Tal um einen Bachlauf herum ein Stück neuseeländischen Urwalds. Heute liegt dieser Bauchlauf am Rande Wellingtons. Später wurde Wiltons Land noch um ein Stück Maori-Land erweitert und nennt sich jetzt Otari-Wiltons Bush. Wir haben dort zahlreiche Tuis und Fantails gesehen und gehört und wundervolle alte Bäume getroffen.

Dieser Regenwald-Riese soll 800 Jahre alt sein. Er nennt sich Rimu.

Kaum betritt man den Otari-Wilsons Bush, mischt sich der Lärm der Stadt mit exotischem Vogelgezwitscher, Baumfarne, Lianen und üppiges Gründ katapultieren einen in ferne Welten. Und auch hier haben wir wieder das Gefühl, dass aus jeder unbeobachteten Ecke wieder Regenwald emporsprießt. Im Infocenter werden wir eines Besseren belehrt: Es war wohl ein ganzes Stück Arbeit, die Böden um Wiltons Land wieder so aufzubereiten, dass die Pflanzen aus dem Kernareal ausgeweitet werden konnten. Das Gebiet ist ökologisch sehr wertvoll. Hier entnimmt man Saaten für ähnliche Projekte in anderen Regionen Neuseelands.

Diese Urwald-Schönheit ist bestimmt auch sehr alt. Hatte aber kein Schild. So wissen wir nicht, wie sie heißt.

Wellington: Stadt der Individualisten

Vor unserem B&B: Schon wieder Glück gehabt! Wir wohnen im Dachgeschoss eines netten viktorianischen Holzhauses.

In Neuseeland scheint wirklich jeder herumlaufen zu können, wie er möchte. Aber nirgends geht es so individuell zu, wie in Wellington: Haare in allen Farben, Kleidung aller Stile, Stoffe, wilde Mischungen. In Welligton wird Persönlichkeit gefeiert und man bekommt Lust auf Veränderung. Also buchen wir uns als allererstes einen Friseurtermin:

Six60 spielt hier in den größten Arenen. In Hamburg sind sie Anfang Oktober im Knust. Ella hat Karten und ist happy.
Neuseeland feiert: Vor 50 Jahren wurde es den Maori erlaubt, Maori zu sprechen. Neuseeland beschäftigt sich mit der zweiten Hälfte seiner Kultur: Maori-Themen sind in Wellington allgegenwärtig. Sogar auf der Ampel!
In Wellington haben wir so lecker gegessen, dass wir Nachtisch nehmen mussten. Zu Hause gilt wieder 16:8! Immerhin habe ich eine Reise-Yogamatte dabei und übe regelmäßig.
So eine hübsche Stadt
Das Café vor dem Botanischen Garten hat einen fantastischen Blick.
Nicht verpassen: Der Botanische Garten hat nicht nur eine schöne Sammlung, er bietet auch die schönsten Ausblicke auf die Stadt.
Mit dem Cable Car vom Botanischen Garten in die Stadt. Der Aussicht wegen.

Roadtrip durch Neuseeland: Taihape – eine Zeitreise.

Das ist Taihape. 2022.

Ist das nicht wunderschön? Ein Städtchen wie aus Footloose! Pickups, Trucks, Leute in karierten Hemden und mit dicken Gummistiefeln an den Füßen!

In vielen Läden steht ein Holzofen, mit dem geheizt wird und man geht, wenn man auf dem Land wohnt, strumpfsock hinein.

In Taihape gibt es scheinbar nur ein Ereignis im Jahr: den Wettbewerb im Gummistiefelweitwurf. Und obwohl es hier außer dem nichts gibt, was die Erwähnung in einem Reiseführer wert wäre, ist Taihape unsere echte Empfehlung. Hier hatten wir das Gefühl, das wahre Neuseeland, das ursprüngliche gefunden zu haben. Hier haben wir ein Gefühl dafür entwickelt, wieviel den Leuten das Land bedeutet und das Farming. Und wie herzlich und gastfreundlich sie sein können. Und letztlich haben wir hier das schönste Airbnb auf unserer ganzen Reise gefunden:

Ist das nicht wunderschön?

Und jetzt das Frühstück:

Marmeladen, Apfeltarte, Pudding, Lemoncurd, alles selbst gemacht. Sogar das Brot war frisch gebacken. Eigentlich wollten wir hier nur einmal übernachten. Mussten aber verlängern 🙂

An alle: Falls ihr in die Nähe des Tongariro oder von Taupo kommt: Allein dieses B&B ist eine Reise Taihape wert!

Vulkane

Neuseeland ist vulkanischen Ursprungs. Und viele Vulkane sind immer noch aktiv. Es soll Thermalquellen geben, Geysire, heiße Quellen… Auf nach Rotorua!

Rund um die Kurstadt Rotorua gibt es ein sehr natürlich anmutendes Gebiet mit jungem Regenwald, vielen wunderschönen Seen und netten Ferienhäusern.

Unser Airbnb bei Rotorua

Leider hatten wir etwas Pech mit dem Wetter. Es regnete praktisch die ganze Zeit, sodass wir noch nicht einmal bis zur nächsten Bergkette sehen konnten. Bei Sonne muss die Gegend hier ein Traum sein!

Frühstücksbesuch. Das Huhn wohnt in der Nachbarschaft.

Nicht verpassen: Whakarewarewa

Wir besuchten die kleine Maorisiedlung mit dem unaussprechlichen Namen kann man besuchen. Maori führen einen herum und erlauben einen Einblick nicht nur ins Dorfleben, sondern auch in die frühere Lebensweise. Tief beeindruckt sind wir von der Sehnsucht nach Anerkennung und der Bereitschaft zum Dialog. Und von der Hoffnung auf Frieden für die Welt. Was in der Ukraine geschieht, beschäftigt die Maorigemeinde in Rotorua sehr.

Dieser Tümpel liegt mitten im Dorf!

Und jetzt: baden 🙂

Im Thermalbad von Rotorua ruht man direkt am Seeufer in kleinen gefassten Quellen. Gegenüber spucken Geysire und Dämpfe steigen auf. Ein unwirkliches Szenario. Wir liegen bei 38 Grad, 41 Grad im warmen Wasser und schauen auf das Naturspektakel. Das Baden hier soll gegen Ischias, Rheuma und tausend andere Plagen helfen. Und es ist wunderbar entspannend. Sogar bei Regen!

Das Thermalbad ist ganz einfach und vielleicht gerade deshalb absolut einen Besuch wert.

Noch mehr Volcano Wonderland

Auf der Fahrt ins Tongariro-Gebiet kann man noch mehr Vulkane erleben. Am besten, man fährt einfach den braunen Hinweisschildern links und rechts der Straße nach. Bei uns waren einige Geysirgebiete auch gesperrt. Es hatte einen kleineren Ausbruch auf Whakaari Island gegeben. Dann geraten auch die heißen Quellen und Geysire in der Mitte der Nordinsel in Unruhe. „Alles hängt zusammen…“ hat der Guide in Whakarewarewa gesagt, und damit nicht nur die Vulkane gemeint.

Natur in Neuseeland: Mogelpackung?

So in etwa hat es überall auf der die Nordinsel einmal ausgesehen
Und so.
und so.

Neuseeland ist unfassbar fruchtbar. Einst bedeckten mächtige Kauribäume, Manuka, Hanuka und wie diese wundervollen Riesen alle heißen, die in ihrer Krone nochmal eine ganz eigene Welt tragen, zu Tausenden die Nordinsel. Unter ihrem Blätterdach meterhohe Baumfarne, Lianen, Luftwurzeln, junge Riesen, Moose, Flechten und viele viele Pflanzen, von denen wir noch nicht einmal die Namen wissen. Bäche, Flüsse, Wasserfälle, Vulkane, Geysire und Vögel, die es in diesem grünen Paradies so gut hatten, dass sie das Fliegen verlernten, weil sie nichts zu befürchten hatten.

Mittelerde sagen wir heute, denken an ein hügeliges Grasland mit ruhigen Bächen und friedlich weidenden Schafen: Neuseeland

Und vielleicht hätte ich den Traum vom wunderbar natürlichen Neuseeland auch weiter geträumt, hätte ich ihn nicht getroffen:

Tane Mahuta. Der Gott des Waldes.

Den Maori ist dieser faszinierende Kauri-Riese heilig. Über 2000 Jahre alt soll er sein. Sein Stamm hat einen Durchmesser von vier Metern. Als ich vor ihm stand, sind mir die Tränen gekommen. Mein Gott, was hat die Menschheit in Neuseeland verloren! Wie konnten die Neuseeländer die gleichen Fehler wiederholen, die in Europa Jahrhunderte zuvor gemacht worden sind? Denn „einst“, das ist in Neuseeland vielleicht 150 Jahre her.

Und plötzlich machen mich die Grashügel unendlich traurig. Neuseeland ist abgeholzt bis auf die Bergspitzen. Nichts ist den Sägen entgangen. Gras bis zum Bach. Meist durchbrechen nicht einmal Knicks den grünen Teppich. Der Kiwi verschwindet nicht wegen der Hunde und wahrscheinlich noch nicht einmal wegen der Opossums. Er hat schlichtweg seinen Lebensraum verloren.

Schön grün.
Mit Schafen.

Und wenn man Wald begegnet, warum sieht Neuseeland dann aus wie Europa? Weil jetzt dort europäische Bäume angebaut werden, wo eigentlich Regenwald hingehört: Es geht um Holzwirtschaft. So einfach ist das. Hier wachsen Kiefern zu unglaublichen Höhen heran. Reihe in Reihe stehen sie, bis sie gefällt werden. Wahrscheinlich brauchen sie hier noch nicht einmal 100 Jahre bis sie schlagreif sind. Fazit: Die Neuseeländische Natur ist genau so eine Mogelpackung, wie die im Schwarzwald: ökologisch nahezu wertlose Monokultur und dazwischen Weideland. Zumindest auf der Nordinsel begegnet uns das allerorten. Die Südinsel haben wir noch nicht so ausführlich besucht.

Schock: der Tongariro Nationalpark

Es soll das ältesten Naturschutzgebiet in Neuseeland sein und zählt zu den Naturerben der Menschheit. Das kam unserer Sehnsucht entgegen: Endlich würden wir kilometerlang durch Regenwald fahren. Das ursprüngliche, das wilde Neuseeland erleben. Und in den ersten fünf Kilometern war das auch so

Und dann kamen wir etwas höher:

Kann das sein? Wird mitten im Nationalpark der letzte Urwald gerodet?

Wir wissen es nicht. Im Internet haben wir nichts darüber gefunden. Sind wirklich geschockt. Um den ganzen Tagariro Vulkan herum gibt es nur kriechendes Gestrüpp. An der Höhe kann es nicht liegen. Das ist alles weit unterhalb der Baumgrenze. Auch hier alles abgeholzt? Oder war es der Berg? Der Tongariro ist aktiv. Bedeckt Asche und Lava so oft die Gegend um den Vulkan, dass Bäume keine Zeit haben zu wachsen? Wir wissen es nicht. Es gibt auch an der Nationalpark-Information keine wirkliche Information und im Internet ist die Auskunft dürftig.

Die Geschichte auf dem Foto da oben war jedenfalls nicht der Berg. Das ist klar.

Etwas tröstliches hat das Ganze: Wahrscheinlich werden wir in ein paar Jahren Brasilien als Naturparadies bewundern: das weitläufige Weideland, die friedlich grasenden Rinderherden und wunderbar grün wird es sein. Weil es dort so viel regnet…

Andererseits: Warum sollen die Neuseeländer nicht die gleichen Fehler machen dürfen, wie die, die in Europa geblieben sind? Auch im vielbesungenen Schwarzwald wird erst seit kurzem wieder standortgerecht aufgeforstet. Und auch nur, weil man es dort bitter gelernt hat: Den neuzeitlichen Wirbelstürmen hält die Monokultur nämlich nicht stand. Ganze Bergketten sehen aus, als ob ein neuseeländisches Holzfällerteam ganze Arbeit geleistet hätte. Auch im Schwarzwald wehrten sich viele Alteingesessenen mit Händen, Füßen und Plakaten und manchmal mit allem gleichzeitig dagegen, dass ein Teil des Staatswaldes im Nordschwarzwald zu einem Nationalpark werden sollte. Der Park, der jetzt realisiert wurde, umfasst nur einen Bruchteil der Fläche der ursprünglichen Planung. Aber immerhin! Die Menschen werden jetzt merken, dass Natur gut ist. Dass sich für jeden Schädling irgendwann einen Nützling findet, der ihn in Schach hält. Und vielleicht wird der Nationalpark Nordschwarzwald dann doch noch größer. Und vielleicht kommt dann auch der Luchs zurück…

Und wenn die Schwarzwälder das jetzt langsam verstehen, vielleicht merken das dann auch die Neuseeländer. Und dann kommt auch der Kiwi wieder. Es ist nie zu spät. Die Natur rechnet nicht in menschlichen Lebensspannen…

Roadtrip durch Neuseeland: ganz im Norden

Paihia, Waitangi und Cap Reigna

Regenwetter: Blick aus unserem Airbnb in Paihia

Was macht man, wenn man in einem Airbnb mit einer wundervollen Aussicht wohnt, und für den ganzen Tag Regen angesagt ist? Genau das haben wir getan 🙂

Cap Reinga

Und am nächtsten Tag ganz in den Norden: Cape Reinga. Der Ort, von dem die Maori sagen, dass dort die Seelen der Verstorbenen einen letzten Blick auf die Insel werfen, bevor sie ins Meer springen, um zu ihren Ahnen zu schwimmen. In Ellas Block könnt ihr die ganze wunderbare Legende nachlesen.

Bisschen schief…
Aber Ella konnte ihn richten.

Waitangi

Hier wurde Neuseeland als Nation geboren. Hier haben vor 182 Jahren Engländern und Maori einen Vertrag unterzeichnet, der den Engländern das Recht gab, Neuseeland zu besiedeln. Nach meinem Verständnis ist es bis heute strittig, ob die Vorteile aus diesem Vertrag doch eher einseitig waren. Doch die Museumsanlage in Waitangi ist wunderschön und ein Muss für jeden neuseeländischen Schüler. Man kann das Haus, in dem der Gouverneur dann wohnte, besuchen. Es gibt ursprünglicher Baumbestand, Vogelgezwitscher, herrliche Aussichten, den Original-Vertrag, Dokumentationen über Maori, die für Neuseeland in die Weltkriege zogen, eine wirklich tolle Führung…

Der Blick von Waitangi: die Bay of Islands

Und doch entließ uns dieses Museum merkwürdig unzufrieden. Wir hatten erwartet, mehr über die Maori zu erfahren: Wie haben sie gelebt? Wie waren die sozialen Strukturen? Was haben sie ihren Kindern gelehrt? Was hat sich für sie im Alltag durch den Vertrag verändert? Was haben die Maori erhofft? Wurden die Versprechen eingehalten? Doch im Museum geht es hauptsächlich um die Unterzeichnung. Nach diesem Vertrag, der als die Geburtsstunde Neuseelands gefeiert wird, gab es blutigste Auseinandersetzungen zwischen Engländern und Maori. Schätzungsweise die Hälfte der Maori auf der Nordinsel wurden in den nachfolgenden Kriegen getötet. Das lesen wir in unserem Reiseführer.

Konflikte waren schon bei der Unterzeichnung des Vertrages vorprogrammiert: Die Engländer kamen, um Rohstoffe nach England zu schaffen: Holz vor allem. Vor der Besitznahme bedeckten wuchernde Regenwälder mit tausenden von riesigen Kauribäumen die Nordinsel. Heute ist dort Weideland. Eine Handvoll wirklich großer Kauribäume ist übrig geblieben. Sie wachsen extrem langsam und werden über 2.000 Jahre alt. Sonst ist alles abgeholzt. Bodenerosion ist ein großes Thema und allerorten sichtbar. Oder die Wale. Neben Holz war der Walfang gewinnbringend für Europäer. Den Maori sind Wale heilig. Wie haben sie dieses Verhalten ihrer Partner verkraftet? Über solche Konflikte und wie man sie überwunden hat, findet man keine Antworten. Hat man sie überhaupt überwunden? Empfinden sich Maori als Neuseeländer? Sie sind für Neuseeland in den Krieg gezogen. Das haben wir in Waitangi gelernt. In den ersten und in den zweiten Weltkrieg. Dort gab es ein Maori-Batallion. Warum? Warum gab es nicht ein Neuseeländisches, in dem Maori zusammen mit den europäischstämmigen Neuseeländern gekämpft haben? Zu der Zeit war die Geburtsstunde der gemeinsamen Nation schon 100 Jahre her. Auf all diese Fragen findet man nicht wirklich eine Antwort.

Der Guide, ein Maori, sagt: „Wir wollen alle gemeinsam nach vorne schauen. Nicht zurück. Was geschehen ist, ist geschehen.“ Vielleicht hat er Recht.

Russel. Das Höllenloch des Pazifik

Auf dem Weg nach Russel.

Gerade einmal 20 Minuten mit der Fähre durch dieses Wunderland, das sich Bay of Islands nennt, braucht es, um in Russel zu landen. Einem wunderschönen kleinen Städtchen auf einer Landzunge gegenüber von Paihia. Russel war einst als das Höllenloch des Pazifik bekannt. Es war ein Handelszentrum. Dort sind Walfänger nach Monaten auf See das erste Mal wieder an Land gegangen. Prostitution, Glücksspiel, Alkohol. Es muss exzessiv gewesen sein.

Es sind ein paar wunderschöne Holzhäuschen vom einstigen Höllenloch übrig geblieben. Und der erste Pub Neuseelands: The Duke of Marlborough. Selbstverständlich haben wir ihn besucht.

Wirklich leckeres Essen und prasselndes Kaminfeuer im Duke of Marlborough
Typisch Neuseeland. Man lässt die schmutzigen Straßenschuhe vor dem Laden stehen und wandert strumpfsock hinein. – Vielleicht sollten wir alle mal ein bisschen entspannen…

Roadtrip durch Neuseeland: Hamilton

Das ist unser Begleiter für die nächsten vier Wochen. Dieses goldene, etwas in die Jahre gekommene Vehikel, soll uns viele hundert Kilometer durch Neuseeland fahren. Erst durch die Nord- und dann durch die Südinsel.

Links fahren

Ella hat das mit dem Vertrag gemacht. Und ich habe mich aufs Jetzt-bloß-Nicht-Nachdenken konzentriert und mich dann einfach hinters Steuer gesetzt. Das erste Ziel, Hamilton, haben wir ohne Beule noch am gleichen Abend geschafft. Und das, obwohl Neuseeland mehr Kreisverkehre als das Saarland hat! Man glaubt es nicht. Und dann immer nach links hinein… Doch Bettinas Rat: „Der Fahrer sitzt immer in Straßenmitte“ ist Gold wert. Danke, Bettina. Er wird mein Mantra auf dieser Reise werden!

Hamilton

Die Stadt ist nun wirklich gar nicht sehenswert. Und doch war dieses Ziel der Grund, warum wir unbedingt am 03.09. wieder in Neuseeland sein mussten. Hier gibt es nämlich ein nicht allzu großes Rugbystadion. Und in diesem haben am 03.09. die All Blacks gegen Argentinien gespielt. Nun ist Ella wahrscheinlich der größte All Blacks Fan der nördlichen Halbkugel und hier waren sie zum Anfassen nah.

Dritte Reihe, strömender Regen und die glücklichste Ella der Welt!

Schon vor dem Haka waren wir völlig durchnässt…
Ergebnis: 53:3 für die All Blacks!

Nouméa. Stadt mit zwei Gesichtern

Die Hauptstadt von Neukaledonien liegt auf Grand Terre. Der größten Insel Neukaledoniens. Der Reiseführer lockt mit Hügeln, Stränden, Cafés, Promenaden und französischer Lebensart. Und so waren wir etwas verunsichert, als wir in unserer ersten Nacht auf Neukaledonien aus dem Hotelfenster schauten:

Das soll die glamouröse Metropole der Südsee sein?

Wir hatten ein günstiges Hotel in der Altstadt gebucht. Nur zum Schlafen. Am nächsten Morgen wollten wir ja weiter nach Ile des Pins. Wir fragten nach einer Restaurantempfehlung. Es gab zwei. Ein chinesisches und eines mit französischer Küche. Ernst, jetzt? Es war tatsächlich so. Die Gegend düster. Geschlossene Geschäfte, lieblos hochgezogene Häuser, um die sich nach dem Bau keiner mehr gekümmert hat und Kolonialbauten, die vergeblich nach einem Restaurator rufen.

Nouméa die Zweite

Das konnte nicht alles sein. Und weil wir nach dem Hotelleben auf Ile des Pins ins echte Leben wollten, buchten wir ein Airbnb. Mitten in der Stadt. Allerdings einen Hügel weiter.

Der Eingang zu unserem Airbnb
Kochen mit Pazifik-Blick

Und da waren sie: schöne Häuser, tropische Gärten, edle Autos, Wohlstand überall. Was ist hier los?

Einer der beiden Stadtstrände!: direkt losschnorcheln!

Nur eine Bucht weiter gibt es Bars, eine Strandpromenade wie in Nizza, Cafés, Bars, Nachtleben und tolle Boutiquen, Beachlife, Kiten, Surfen: Hier leben die Franzosen. Immerhin versucht Frankreich mit einem Spektakulären Museumsbau die Altstadt zu beleben. Und man muss auch sagen, dass wir nirgends wirklich Armut gesehen haben. Alle Menschen scheinen medizinisch gut versorgt und sehr wohl genährt.

In Nouméa scheint es zwei völlig verschiedene Welten zu geben. Die praktisch nichts miteinander zu tun haben. Die eine scheint die Verwirrungen der Kolonialzeit noch nicht überwunden zu haben. Und so leben in der Altstadt viele Kanaken. Es gibt billige Geschäfte, asiatische Basare, ein paar Backpacker-Hotels. Und besonders nachts macht die Gegend einen trostlosen Eindruck.

Abschließend können wir uns natürlich kein Urteil erlauben. Dazu waren wir nicht lang genug da. Aber das war schon krass: Ureinwohner auf der einen und Kolonialherren auf der anderen Seite. Es gibt auch dunkelhäutige Menschen, die gut integriert sind. Servicekräfte in Cafés und auch an manchem Steuer eines SUVs. Aber diese stammen aus anderen französischen Überseegebieten. Martinique, zum Beispiel. Oder aus Afrika. Auch viele Asiaten sind eingewandert. Die Kanaken scheinen noch nicht keinen Platz in dieser postkolonialen Gesellschaft zu haben. Andersherum: Ist die Gesellschaft postkolonial?

Im Internet haben wir gelesen, dass die letzten gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und den Kanaken noch nicht lange her sind. In den 80er Jahren stand Neukaledonien am Rande eines Bürgerkriegs. 2018 wurde über die Unabhängikeit Neukaledoniens abgestimmt. 57% stimmten für den Verbleib bei Frankreich. 40% der Wahlberechtigten waren Ureinwohner. Die Inselgruppe hätte dann Kanaky geheißen.

Andererseits: Welchen Chance hat ein kleines Völkchen auf einer wunderschönen Insel, das noch nie die Chance hatte, Erfahrung im Aufbau einer eigenen Struktur, geschweige denn im Umgang mit anderen Staaten zu sammeln? Vielleicht ist es besser, wie es ist. Und vielleicht besinnen sich beide Seiten auf eine, auf gegenseitige Wertschätzung geprägte, gemeinsame Zukunft. Und vielleicht sind sie sogar schon auf dem Weg dahin. Immerhin kam uns bei jeder Begegnung mit einem Kanaken ein Lächeln und ein freundliches „Bonjour“ entgegen.

Bye, bye Südsee: Wir warten auf unser Shuttle zum Flughafen

Unter Wasser

Es ist so schön, dass ihr alle den Blog lest! Ein bisschen so, als würden wir euch bei einem Glas Rosé von der Reise erzählen 🙂 Also: Willkommen unter Wasser!

Die Unterwasserwelt ist der eigentliche Grund, warum wir nach Kaledonien gereist sind. Die Inselgruppe liegt an den Ausläufern des Great Barriere Riffs und man sagt, sie gehöre zu den schönsten Tauchgründen der Welt. Glasklares Wasser, jede Menge tropische Fische und eine immer noch intakte Korallenwelt.

Es ist atemberaubend: Allein beim Schnorcheln sieht man Rifffische aller Formen und Farben: Kugelfische, Clownsfische, Doktorfische, Falterfische, wundervolle Muscheln, Korallen und noch viel mehr, was wir in unserem Bestimmungsbuch (es ist das dickste Buch, das wir mitschleppen) nicht gefunden haben.

Ist das nicht wunderschön?

Ich muss sagen, der Auffrischungs-Tauchgang auf Fehmarn, eine Woche vor dem Flug, war eine sehr gute Idee. Nach 25 Jahren das erste Mal wieder tauchen! Und das auf Französisch. Ella ist besser im Training. Sie hat in der Karibik ihren Tauchschein gemacht.

Und dann: Abtauchen!

Gleich der erste Tauchgang ein Wahnsinns-Erlebnis: Rifffische ganz in Ruhe, ganz aus der Nähe zu beobachten. Wir hatten Glück mit unserem lokalen Tauchguide. Er hat uns mini kleine Seepferdchen gezeigt und Anemonen, die gar keine sind, sondern aus tausenden einzelner kleiner Lebewesen bestehen. Wenn man sie berührt erwachen sie zum Leben. Wie bei Avatar. Und dann sahen wir ihn:

Einen ausgewachsenen Leopardenhai! Ca. zwei Meter lang und wunderschön.

Dieser Tauchgang war vor Nouméa. Dicht vor der Hauptstadt Neukaledoniens liegt ein Gebiet, in dem sich Fische mit einer ganz besonderen Vorliebe aufhalten: Sie putzen Schildkrötenpanzer. Und das ist der wunderbare Grund dafür, dass man hier oft Schildkröten antrifft. Sie kommen aus der ganzen Gegend, um sich hier putzen zu lassen. Wir haben 10, 15 wirklich große Meeresschildkröten gesehen!

Im Turtle-Wellness-Pool

Ja, und dann hat mich die Hexe geschossen. Sehr unspektakulär beim Anziehen des Neoprenanzugs. Eine falsche Bewegung! Ich hatte schon auf dem Schlauchboot gemerkt, wie ich immer krummer werde. Gottseidank hatte ich in Auckland eine Reise-Yogamatte gekauft. Also: Runter vom Boot und rauf auf die Matte! Danke, Mady Morrison, du hast mir ein ganzes Stück meiner Reise gerettet! „Yoga für den unteren Rücken“, Mady Morrison. Sehr zu empfehlen!

Aber Tauchen war für mich vorbei. Ella ist am nächsten Tag noch einmal unten gewesen. An einem Wrack. Auf dem Weg dahin haben sie Buckelwale gesehen! Auch einer meiner großen Träume! O.k.. Es ist, wie es ist. Ich hoffe auf Neuseeland.

Und jetzt: das Beste:

Seit ich das Buch „Rendezvous mit einem Octopus“ von Sy Montgomery gelesen habe, bin ich fasziniert von dem Gedanken, einen Kraken in freier Wildbahn zu sehen. Auf Fuerteventura habe ich Tage damit verbracht, jeden einzelnen Gezeitentümpel auszuspähen. Aber ich habe nicht einmal die Spur von einem Kraken entdecken können. Und dann das: beim zufälligen Blick von der Brücke, die zu unserem Hotel auf Ile des Pins führte.

Ein junger Pazifischer Riesenkrake beim Jagen!

Später waren wir noch mehrfach dort. Aber wir haben ihn nie wieder gesehen.

Ach, ja: Das mit dem Rosé holen wir nach!

Ile des Pins. Perle der Südsee.

Den Namen hat die Insel von James Cook. Als er sie entdeckte, hielt er die Araukarien, die das Bild der Insel prägen, für Pinien. Und es stimmt. Von Weitem sehen sie aus wie Nadelbäume. Vielleicht hat er sie nie von Nahem gesehen, weil er seine Mannschaft an den Strand des unbekannten Eilands geschickt hat und sich selbst sicherheitshalber hinter Sextant und Seekarten verschanzte? Wir werden es nicht erfahren. Heute gibt es auf Ile des Pins einen Ort, zwei durchaus luxuriöse Hotels, eine Tauchbasis und einen Einkaufsladen. Ach ja, und einen Flughafen. Drei Flüge am Tag von Nuema und drei zurück. Das wars. Vom Flughafen aus sind ein paar asphaltierte Schneisen durch den Urwald geschlagen. Begleitet von einer Stromtrasse an Masten. Das ist die Infrastruktur. Politisch ist die Insel in acht Häuptlingsbezirke unterteilt.

Nichts als Urwald. Ile des Pins ist viel ursprünglicher, als wir dachten.

Flora und Fauna

Wandelröschen, Hirschfarne, Hibiskus. Alles wächst hier einfach am Wegesrand. Araukarien überall. Sie sind hier endemisch. Es flattern unzählige Schmetterlinge und es zwitschert von allen Bäumen. Kleine, grüne Papageien, Eisvögel, die genau so aussehen, wie unsere Eisvögel, Schwalben, Amseln und Finken, die sicherlich anders heißen, aber vom Aussehen und Verhalten her an unsere Amseln, Schwalben und Finken erinnern. Und Achatschnecken. Zu Hunderten. Die wurden abends im Hotel – sehr französisch – mit Knoblauch serviert.

Ein Hibiskuskäfer hat uns im Hotel besucht

Wir haben die Insel tatsächlich mit dem Fahrrad erkundet. Wir waren auf dem Markt in Vao, dem Hauptort, an dem es auch eine Krankenstation, eine Kirche und einen Markt gibt, auf dem die Frauen selbst genähte Kleider, Kuchen und Vanilleschoten verkaufen.

Eine Gedenkstätte für den ersten Missionar. Vorsichtshalber haben die Einheimischen sie mit Totempfählen gesichert…
Hier haben wir noch 20 km Rückweg auf schlecht aufgepumpten Fahrrädern vor uns.

Die Strände

Pudersand, kristallklares Wasser und weit und breit keine Menschenseele. Außer ein paar Fischer, die Netze auslegten, wenn die Flut kam.
Ebbe.

Die Unterwasserwelt

Einfach unglaublich und der eigentliche Grund, warum wir nach Kaledonien gereist sind. Aber das ist ein eigenes Kapitel wert.