Paihia, Waitangi und Cap Reigna




Was macht man, wenn man in einem Airbnb mit einer wundervollen Aussicht wohnt, und für den ganzen Tag Regen angesagt ist? Genau das haben wir getan 🙂
Cap Reinga
Und am nächtsten Tag ganz in den Norden: Cape Reinga. Der Ort, von dem die Maori sagen, dass dort die Seelen der Verstorbenen einen letzten Blick auf die Insel werfen, bevor sie ins Meer springen, um zu ihren Ahnen zu schwimmen. In Ellas Block könnt ihr die ganze wunderbare Legende nachlesen.



Waitangi
Hier wurde Neuseeland als Nation geboren. Hier haben vor 182 Jahren Engländern und Maori einen Vertrag unterzeichnet, der den Engländern das Recht gab, Neuseeland zu besiedeln. Nach meinem Verständnis ist es bis heute strittig, ob die Vorteile aus diesem Vertrag doch eher einseitig waren. Doch die Museumsanlage in Waitangi ist wunderschön und ein Muss für jeden neuseeländischen Schüler. Man kann das Haus, in dem der Gouverneur dann wohnte, besuchen. Es gibt ursprünglicher Baumbestand, Vogelgezwitscher, herrliche Aussichten, den Original-Vertrag, Dokumentationen über Maori, die für Neuseeland in die Weltkriege zogen, eine wirklich tolle Führung…


Und doch entließ uns dieses Museum merkwürdig unzufrieden. Wir hatten erwartet, mehr über die Maori zu erfahren: Wie haben sie gelebt? Wie waren die sozialen Strukturen? Was haben sie ihren Kindern gelehrt? Was hat sich für sie im Alltag durch den Vertrag verändert? Was haben die Maori erhofft? Wurden die Versprechen eingehalten? Doch im Museum geht es hauptsächlich um die Unterzeichnung. Nach diesem Vertrag, der als die Geburtsstunde Neuseelands gefeiert wird, gab es blutigste Auseinandersetzungen zwischen Engländern und Maori. Schätzungsweise die Hälfte der Maori auf der Nordinsel wurden in den nachfolgenden Kriegen getötet. Das lesen wir in unserem Reiseführer.
Konflikte waren schon bei der Unterzeichnung des Vertrages vorprogrammiert: Die Engländer kamen, um Rohstoffe nach England zu schaffen: Holz vor allem. Vor der Besitznahme bedeckten wuchernde Regenwälder mit tausenden von riesigen Kauribäumen die Nordinsel. Heute ist dort Weideland. Eine Handvoll wirklich großer Kauribäume ist übrig geblieben. Sie wachsen extrem langsam und werden über 2.000 Jahre alt. Sonst ist alles abgeholzt. Bodenerosion ist ein großes Thema und allerorten sichtbar. Oder die Wale. Neben Holz war der Walfang gewinnbringend für Europäer. Den Maori sind Wale heilig. Wie haben sie dieses Verhalten ihrer Partner verkraftet? Über solche Konflikte und wie man sie überwunden hat, findet man keine Antworten. Hat man sie überhaupt überwunden? Empfinden sich Maori als Neuseeländer? Sie sind für Neuseeland in den Krieg gezogen. Das haben wir in Waitangi gelernt. In den ersten und in den zweiten Weltkrieg. Dort gab es ein Maori-Batallion. Warum? Warum gab es nicht ein Neuseeländisches, in dem Maori zusammen mit den europäischstämmigen Neuseeländern gekämpft haben? Zu der Zeit war die Geburtsstunde der gemeinsamen Nation schon 100 Jahre her. Auf all diese Fragen findet man nicht wirklich eine Antwort.
Der Guide, ein Maori, sagt: „Wir wollen alle gemeinsam nach vorne schauen. Nicht zurück. Was geschehen ist, ist geschehen.“ Vielleicht hat er Recht.
Russel. Das Höllenloch des Pazifik

Gerade einmal 20 Minuten mit der Fähre durch dieses Wunderland, das sich Bay of Islands nennt, braucht es, um in Russel zu landen. Einem wunderschönen kleinen Städtchen auf einer Landzunge gegenüber von Paihia. Russel war einst als das Höllenloch des Pazifik bekannt. Es war ein Handelszentrum. Dort sind Walfänger nach Monaten auf See das erste Mal wieder an Land gegangen. Prostitution, Glücksspiel, Alkohol. Es muss exzessiv gewesen sein.


Es sind ein paar wunderschöne Holzhäuschen vom einstigen Höllenloch übrig geblieben. Und der erste Pub Neuseelands: The Duke of Marlborough. Selbstverständlich haben wir ihn besucht.

