Von wegen alles friedlich! Begegnung mit einem Seeleoparden.

Christchurch hat, wenn man etwas auswärts fährt, wunderschöne Strände. Auch im Winter. Der Pazifik schäumt in Gletschertürkis gegen den Sand, Treibholz liegt in abenteuerlichen Mengen in der Bucht verstreut und die Bergketten schichten sich dreidimensional immer höher an den Horizont, bis hin zu den schneebedeckten Südalpen… wild, windig, wunderschön.

Strand bei Christchurch

„There is a big seal laying over there.“ Eine freundliche Hundebesitzerin hat ein Meereswesen gesichtet. „A really big one!“, betont sie sichtlich beeindruckt. Das ist spannend. Ich liebe Seehunde. Und dann noch ein großer. Gleich bei meinem ersten Strandspaziergang. Toll. Wir wandern eine Weile und entdecken nichts besonderes. Einmal ist eine Stelle, an der ein Tier gelegen haben könnte. Schade, hat sich wohl schon wieder in die Tiefen des Meeres zurückgezogen. Na denn, vielleicht ein andermal. Plötzlich laufen die Hunde nach vorne. Auf ein längliches ziemlich großes Holzstück zu. Ein Baumstamm vielleicht. Komisch sieht er aber aus, irgendwie. Wir holen die Hunde zurück. Das muss der Seehund sein. Länge, so 2,5 drei Meter. Nicht dick, komisch länglich. Scheint nicht mehr zu leben. Ich gehe etwas näher, um ein Foto zu machen, umrunde das Tier an der Kopfseite und da beginnt es zu schnuppern. Ich bewege mich automatisch rückwärts. Was ist das???? Kleiner Kopf, wie ein Urwesen, langer Körper, aufgeregtes Schnuppern. Es sieht selbst für einen ausgesprochenen Naturfreund wirklich nicht hübsch aus und ziemlich gefährlich. Und es ist beileibe nicht tot. Es hatte uns nur nicht bemerkt. Klar, wir hatten den Wind gegen uns. Aber jetzt!!!!!!! Langsam, immer weiter rückwärts und dann noch weiter weg. Sehr weit. Ein Foto gibt es. Immerhin. Es war ein Seeleopard. Ein antarktisches Raubtier, das neben dem Orka, als das gefährlichste in dieser Region gilt: Weibchen bis zu 400 kg schwer, 3,5m lang, bewaffnet mit Messerscharfen Zähnen. Hält sich normalerweise am Packeisgürtel der Antarktis auf und wird im Winter selten auch an Neuseeländischen Stränden gesichtet. Ein Seeleopard frisst Robben, Pinguine, zur Not auch Fisch. Am liebsten jedoch Warmblüter: Hunde? Strandspaziergänger? Schafe?

Nein, im Ernst. Das hätte dumm ausgehen können. Die neuseeländische Regierung empfiehlt mindestens 15m Abstand zu allen Meereslebewesen. Wahrscheinlich ist sie durchaus sinnvoll, diese Regelung. Würde ich jetzt genau so unterschreiben.

Der Anblick täuscht. Dieser Seeleopard ist weder tot noch klein. Er maß so 2,5-3m.

Hinterlasse einen Kommentar