Havanna (verstehen)

Mein zweiter Besuch und ein chaotischer Abflug
Das Capitol bei Nacht

Das zweite Mal in Havana, kam mir die Stadt gar nicht mehr so chaotisch vor. Ich konnte mich sogar schon grob orientieren. Leider flog Alisa dann auch schon weiter. Unsere Reise zusammen war echt schön.

So dachte ich mir, ich muss Havana jetzt noch ein bisschen mehr verstehen. Daraufhin habe ich verschiedenste Touren durch die Stadt gemacht. Und plötzlich kam mir alles gar nicht mehr so unorganisiert vor. Ganz im Gegenteil. Es ist sehr beeindruckend, wie hier alles doch irgendwie funktioniert.

Die eine Tour war mit einer jungen Kubanerin. Sie erzählte mir, dass ich die erste Tour auf Deutsch war, die sie gemacht hatte, seit Corona. Sie freute sich total. Sie erzählte mir viel von dem alltäglichen Leben. Vor allem erzählte sie, dass das Leben jetzt, nach, bzw. während Corona, viel viel schwerer sei. Die extreme Inflation macht das Versorgen einer Familie fast unmöglich. Offiziell wird von einer Inflation von 70% seit vor Corona geredet. Viele unabhängige Prüfstellen reden aber von einer Inflation von bis zu 500%. Zusätzlich wurde Anfang des Jahres der CUC, die Währung für Touristen, abgeschafft. Dies sorgte in den letzten Monaten für einen starken Fall des CUP`S. Sie erklärte mir auch, dass jede Familie hier jedes Jahr ein kleines graues Essensbuch bekommt. Mit diesem Buch können sie dann alle lebensnotwendigen Sachen kaufen. So der Gedanke. In der Realität reichen die Lebensmittel für höchstens zwei Wochen. Alles was man dann zusätzlich braucht, muss man sich über den Schwarzmarkt besorgen. Vor Corona war dies nur sehr teuer: Der ganze Einkauf über das Versorgungsheft hat etwa 20 Peso für eine Familie gekostet. Den Rest auf den Schwarzmarkt zu besorgen, 2.000 Peso. Aktuell sind die Preise an den staatlichen Supermärkten genau so teuer wie auf dem Schwarzmarkt. Das heißt, dass jetzt, nach der Inflation, bei den meisten Familien das gesamte Einkommen (in Durchschnitt 40€, also 4.000 CUP) für Lebensmittel ausgegeben wird. Zusätzlich ist mir nun auch bewusst geworden, warum das Essen hier meist nicht gewürzt ist. Das einzige Gewürz, welches man offiziell hier erwerben kann, ist Salz. Alles andere muss man sich auf dem Schwarzmarkt organisieren. Aber auch an die offiziellen Lebensmittel zu kommen, ist gar nicht so leicht. Häufig gehen die Letzten in der Schlange vor dem Supermarkt leer aus. Deswegen sieht man häufig illegale Lebensmittelverkäufe, entweder als Stände am Straßenrand oder auch Zwiebeln und Knoblauch, die aus dem Kofferraum verkauft werden. Es ist halt einfach ein illegales Geschäft.

Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit, Lebensmittel und andere lebensnotwendige Dinge zu besorgen. Die sogenannten internationalen Läden. In denen kann jeder so viel kaufen wie er möchte. Problem ist nur, dass man mit Euros, Pfund oder Schweizer Franken bezahlen muss. Und das, obwohl diese Läden staatlich sind. Jeder Kubaner besitzt eine Kreditkarte für diese Läden. Auf diese Kreditkarte können Verwandte aus dem Ausland Geld laden. Dollars werden nicht akzeptiert. Oder die Leute laden auf diese Karten Bargeld, welches sie durch Geschäfte mit Touristen bekommen haben. Deswegen wird man auch immer gefragt, ob man Geld wechseln möchte, oder ob man in Euros bezahlen kann. So langsam versteh ich das alles ein bisschen mehr. 

Sie erzählte mir auch, dass es in dem historischen Teil von Havanna eine Organisation gibt, die die Restaurierung der Gebäude und touristische Attraktionen organisieren. Dies ist ein staatlich unterstütztes Projekt. Sogar die Straßenmusiker, Künstler oder die traditionell gekleideten Personen gehören dazu. Aber auch die hiesigen Straßentiere. Als ich das erste mal in Havanna war, hatte ich mich die ganze Zeit gewundert, warum die Hunde und Katzen im historischen Teil der Stadt, Zettel um den Hals tragen. Sie erklärte mir, dass diese Zettel das Symbol dafür sind, dass diese Tiere mit im Programm sind. Sie werden gefüttert, sind gegen alles geimpft, entwurmt und entfloht und müssen regelmäßig zum Tierarzt. Zusätzlich gibt es viele Leute, die sich um sie kümmern. So sind sie auch an Menschen gewöhnt und man kann sie bedenkenlos streicheln. In meinen Augen einfach ein tolles Projekt. 

Ich hab noch eine Tour mit einem Wirtschafts-Professor von der Uni Havana gemacht. Auch sehr spannend. Langsam habe ich verstanden, wie schwierig die wirtschaftliche Situation von Kuba wirklich ist. Es sind nur Touren der staatlichen „Cuba Tours“ gestattet. Die Spanne zwischen arm und reich ist hier sehr groß. Allerdings hat jeder Mensch, der nach der Revolution in einer Wohnung gewohnt hat, diese vom Staat geschenkt bekommen. Das erklärt, warum die einzelnen Wohnungen auch außen individuell gestaltet sind.

Der Abflug

Mein Abflug war mal wieder sehr authentisch. Ich wollte von Havanna über Florida und die Cayman-Islands in die Dominikanische Rebublik. Mir haben schon alle gesagt, dass die Mitarbeiter am Flughafen langsam sind. American Airlines schickte extra eine E-Mail, dass man 4 stunden vorher da sein soll. Vorausschauend, wie ich bin, war also 6 Stunden vor meinem Flug da. Zum Glück. Das ganze Chaos begann damit, dass der Flughafen spontan beschlossen hatte, dass alle Touristen zum Betreten des Flughafens einen negativen Corona Test brauchen. Also musste ich spontan einen Corona-Test machen, den ich natürlich nur mit meiner Kreditkarte bezahlen konnte. Alle Touristen liefen also mit ihrem ganzen Gepäck in einer langen Schlange erst mal eine ganze Strecke an der Autobahn und danach noch quer über ein Feld bis zu einem kleinem Haus, in dem es dann den Test gab. Das ganze Procedere dauerte über 2 Stunden. Zurück am Flughafen, wurde mein Terminal geändert. Ein Polizist organisierte mir ein Taxi zu dem anderen Terminal, das ich mit meinen letzten Euros bezahlte. Am richtigen Flughafen stellte ich dann fest, dass die Cazymann Islands, über die ich fliegen musste, da man von Kuba in die USA kein one-way-Ticket kaufen kann, nun plötzlich eine elektronische Anmeldung wollten. Das stand natürlich alles nicht online. Ich, total verzweifelt, musste erst mal mein SIM-Karte mit mehr Geld aufladen und setzte mich dann an das online Formular. Leider war auf Kuba der Scanner zum Verifizieren des geimpften Status gesperrt, wie so viele andere wirklich wichtigen Webseiten und Funktionen. Also musste ich ein Foto von meinem Impfpass hochladen. Dann bekam ich die Bestätigung, die Bearbeitung dauert 5 Tage. 5 Tage?!? Mein Flug war in 3 Stunden! Die Frau am Schalter fing schon parallel an, mit der Behörde zu telefonieren, um das alles zu beschleunigen. Aber zum Glück hab ich ja Papa. Der meinte entspannt, wie immer wenn es ums Reisen geht, dass er es auch von zu Hause aus probiert. Und das funktionierte sofort! Was ein Glück! Da kam endlich die ersehnte Bestätigung. Nach dem ich endlich auch am Schalter durch war (die Leute arbeiteten so langsam, das fühlte sich an, wie bei den Faultieren in Zoomania) habe ich doch noch eben so meinen Flieger bekommen. Aber nur, weil es keinerlei Sicherheitskontrollen gab.

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