
Die Fahrt nach Vinales gestaltete sich sehr sehr schwer, da unser Host kein Taxi für uns organisieren wollte. Er hatte uns einfach nicht ernst genommen. Wahrscheinlich, weil wir zwei junge Frauen waren, die seine Sprache nicht sprachen. Wir mussten uns ohne fremde Hilfe durchkämpfen. Da der Bus nach Havana nur einmal am Tag fährt und Touristen keine Bustickets im voraus kaufen dürfen, war der Bus natürlich längst schon ausgebucht. Die Touristenbusse, die von Stadt zu Stadt fahren, gibt es im Moment wegen Corona nicht. Wir haben uns also an die Hauptstraße gestellt und ein Taxi heran gewunken, wie wir es ein paar Tage vorher gelernt hatten. Nach einer sehr hitzigen Diskussion über den Preis (der erste Taxi-Fahrer wollte 100€ bis nach Havana in einem Taxi mit acht Personen, der Bus wären 5 € gewesen) konnten wir uns dann auf 20€ pro Person einigen. Dieser Preis war immer noch deutlich höher als für lokale Leute, aber als Tourist muss man da manchmal durch. In Havanna angekommen, versuchten wir nun, ein Taxi nach Vinales zu finden, weil der Bus schon wieder ausgebucht war. Wir setzten uns also in ein kleines Taxi – es war eher ein kleiner Transporter und wir im Frachtraum – und fuhren los. Irgendwie kam mir die ganze Situation schon sehr komisch vor. Nicht nur, dass ich die Tür die ganze Zeit zuhalten musste, auch der Taxifahrer war merkwürdig. Ich checkte also die ganze Zeit in meiner Offline-Map die Fahrtstrecke und hatte die andere Hand am Türgriff, damit sie nicht aufspringt. Plötzlich hielten wir an. Der Fahrer meinte, wir wären da. Wir waren noch 30 km von Vinales entfernt!!! Der Fahrer packte einfach unsere Koffer aus und fuhr weg. Ich war so froh, dass ich nicht alleine war und dass wir mobile Daten hatten! Mal wieder sprach keiner Englisch. Aber wir sahen wohl sehr hilflos aus. So hilflos, dass uns ein Kubaner den Weg zum Busbahnhof zeigte. Dort versuchten wir herauszufinden, ob ein Bus nach Vinales fährt. Die Mitarbeiterin am Schalter sprach zwar kein Englisch aber sie verstand zumindest ein Wort: Vinales. Leider verstanden wir einfach ihre Anweisung nicht. Da nahm sie einfach meine Hand, führte uns durch den ganzen Busbahnhof und setzte uns in den richtigen Bus. Unsere Rettung.
Als Bus konnte man das Gefährt jedoch nicht bezeichnen. Es war ein Jeep mit Ladefläche, auf der Bänke waren. Aber zumindest fuhr er wirklich nach Vinales. Als wir dann nach einem kurzen Fußmarsch an unserer Unterkunft ankamen waren wir total fertig, mit den Nerven und auch körperlich. Um so mehr freuten wir uns über die Freundlichkeit unserer Host. Es war fast wie zu Freunden zu Besuch zu kommen. Obwohl auch sie kein Englisch sprach. Wir haben direkt Kaffe und einen frischen Ananas-Saft bekommen. Und dann hat sie einen Freund angerufen, dessen Sohn ein bisschen Englisch sprach, und zum übersetzten vorbei kam. Das ist genau das was wir nach so einem Tag brauchten.



Dann sind wir endlich in den Stadtkern gegangen. Hungrig, um noch was zu essen. Doch dem Schicksal waren das noch nicht genug Abenteuer für einen Tag! Unser Essen war gerade da, da fiel aus dem Baum, unter dem wir saßen, ein Frosch. Direkt aus Alisas Kopf. Jetzt gibt es auf Kuba nur ein einziges giftiges Tier. Einen Laubfrosch. Alisa kreischte. Der Kellner kreischte. Das ganze Restaurant lachte. Da nahm der Kellner all seinen Mut zusammen und schlug den Frosch aus Alias Haaren. Sagen wir mal so, nachdem der Kellner den Frosch entfernt hatte, konnte man nicht mehr bestimmen, welche Froschart es war.
Am nächsten Tag Frühstück auf dem Dach der Unterkunft. Von hier aus konnten wir das erste Mal sehen, wie schön Vinales ist.


Zum Frühstücken blieb und aber nicht viel Zeit. Wir mussten los zu unserem Ausritt auf eine Tabakplantage. Per Pferd! Es war das erste Mal nach 10 Jahren, dass ich wieder auf einem Pferd saß! Aber wirklich reiten mussten wir nicht. Die Pferde sind artig hintereinander hergelaufen und wir saßen halt oben drauf. Die Aussicht war unglaublich.

Auf der Tabakplantage, wurden wir in das Geheimnis der kubanischen Zigarren eingeweiht! Es wurden uns die Felder gezeigt, auf dem die Pflanzen wachsen, Wir sahen, wo der Tabak trocknet und natürlich wie die legendäre Kubanische Zigarre gerollt wird. Der Stängel des Blattes wird dabei, zumindest bei den Zigarren, die von den Farmern produziert werden, herausgenommen. So haben die Zigarre 80% weniger Nikotin. Super interessant. Zusätzlich erfuhren wir, dass ein Farmer 90% der fertig getrockneten und eingelegten Tabakblätter als Abgaben an den Staat geben muss. Was für den Farmer bleibt, reicht eben so zum Überleben. Und natürlich haben wir eine Zigarre geraucht.



Unsere Tour ging dann weiter auf eine Kaffee- und Guayave Plantage. Nachdem uns alle Pflanzen gezeigt wurden, mussten wir natürlich auch verkosten. Das heißt, nach der Zigarre vom Stop davor, gab es jetzt Kaffee und Guayave-Rum. Der Ritt zurück ging dann auch gleich viel viel einfacher.

Zum Sonnenuntergang sind wir noch in ein Restaurant mit einer wirklich beeindruckenden Aussicht über das ganze Tal gegangen. Es war mal wieder unglaublich schön.

Vinales ist absolut einen Besuch wert.
